Zum Nachdenken anregen

Wie beurteilen pädagogische Fachkräfte den Einsatz digitaler Medien in Kindertagesstätten? Das Projekt DiKit nimmt Fragen zur Digitalisierung im frühkindlichen Bereich in den Blick.
Um Kindertageseinrichtungen mit unterschiedlichen Positionierungen zum Medieneinsatz zu ermitteln, wurden bundesweit Strukturbogen eingesetzt. Davon werden einzelne Einrichtungen für weiterführende Beobachtungen und Interviews ausgewählt.
Für die quantitative Erhebung entwickelt die Projektgruppe rund um DiKit einen mehrdimensionalen Selbstbeurteilungsbogen zur Analyse der medienbezogenen Einstellungen pädagogischer Fachkräfte.
DiKit ist Teil des kooperativen Metavorhabens „Digitalisierung im Bildungsbereich – Grundsatzfragen und Gelingensbedingungen“. Schwerpunkt des Forschungsprojektes ist die Digitalisierung im frühkindlichen Bereich. Neben dem Fokus auf die Sichtweisen der pädagogischen Fachkräfte werden auch die der Eltern und Kinder miteinbezogen.

Die Mediennutzung jüngerer Kinder stellt Eltern wie auch Erziehende vor große Herausforderungen. Die Fragen kreisen um das Medium selbst, das richtige Maß und die Art der medienerzieherischen Begleitung. Welchen Platz digitale Medien in Kitas einnehmen, hängt stark vom pädagogischen Personal und dessen Grundhaltung gegenüber Medien ab. Das Projekt DiKit konzentriert sich deshalb auf die digitale Praxis pädagogischer Fachkräfte.

Text: Carolin Maier

Die Kita ist ein Ort des Zusammenspiels von Betreuung, Erziehung und Bildung. Kinder sollten nicht nur alters- und entwicklungsgemäß begleitet werden, sondern auch spielend lernen. Wie digitale Medien in Kitas integriert und pädagogische Medienarbeit geleistet werden soll, ist auch unter Fachkräften ein kontrovers diskutiertes Thema. Die Forschungsgruppe rund um das Verbundprojekt DiKit beschäftigt sich genau damit. DiKit steht für „Digitale Medien in der Kita“. Und der Name ist Programm: Die Forschungsgruppe konzentriert sich auf den Einsatz digitaler Medien in Kindertageseinrichtungen und möchte Erziehende sensibilisieren und dazu anregen, über ihr eigenes Medienverhalten nachzudenken.

Die Omnipräsenz der Medien

Zweifelsohne ist der Alltag in einer Kita auf vielen Ebenen von der Digitalisierung beeinflusst. Einerseits auf struktureller Ebene, um den Arbeitsalltag der Fachkräfte zu organisieren und um untereinander sowie mit Eltern zu kommunizieren. Andererseits wirkt das medial geprägte Familienleben in den Alltag der Einrichtungen hinein, indem Kinder Medienthemen von zu Hause aufgreifen und in die Kitas tragen. In welcher Form und Häufigkeit Medien in Kitas eingesetzt werden, hängt nicht zuletzt auch von den pädagogischen Fachkräften und dem Konzept der jeweiligen Einrichtung ab.

Fachkräfte individuell betrachten

Die Forschungsgruppe rund um DiKit setzt an dieser Stelle an und nimmt insbesondere das pädagogische Personal in den Blick. Das Mediennutzungsverhalten, die Affinität und Vorbehalte der Erzieherinnen und Erzieher gegenüber Medien beeinflusse in großem Maße, wie Medien in die Einrichtungen eingebunden werden. „Woran liegt es, dass Medien durch eine bestimmte Brille wahrgenommen werden?“, fragt Prof. Dr. habil. Annette Schmitt, Lehrende für Bildung und Didaktik im Elementarbereich. Wie die Wahrnehmung, das Denken und das Handeln der pädagogischen Fachkräfte in Bezug auf Medien strukturiert seien, gelte es herauszufinden, betont Schmitt. Das Schlagwort „Medialer Habitus“ fällt innerhalb des Projekteteams immer wieder. Gemeint ist damit die Grundlage der medialen Praktik. „Das können persönliche Erfahrungen, bildungs- und berufsbiografische Gründe und sozioökonomische Faktoren sein“, erläutert Eric Simon, wissenschaftlicher Projektmitarbeiter bei DiKit.

Die Forschergruppe hinterfragt die undifferenzierte Auslegung in der Fachdiskussion. Dort finde zumeist eine Einteilung in den medienskeptischen und medieneuphorischen Typus statt. Dieser Logik folgend, gebe es einerseits die pädagogischen Fachkräfte, die Medien kritisch gegenüberstehen und die Kita als medienfreien Schonraum erleben möchten. Andererseits gebe es die proaktiven, medienbegeisterten Fachkräfte, die voller Einsatz digitale Lernmittel in den Kita-Alltag integrieren, führt Schmitt aus. „Unser Interesse ist es, eine differenzierte Sicht zur Digitalisierung in der Kita zu schaffen und dafür ist es nötig, weitere berufsbezogene mediale Habitus-Typen zu untersuchen.“

Kräfte bündeln

Bei DiKit handelt es sich um ein Verbundprojekt zwischen dem Kompetenzzentrum Frühe Bildung der Hochschule Magdeburg-Stendal und der Fakultät für Informatik der Otto-von-Guericke- Universität Magdeburg. Startschuss des Projektes war eine Ausschreibung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. „Digitale Bildung als Querschnittsthema beschäftigt uns schon lange. Als wir von der Ausschreibung erfahren haben, sahen wir darin eine tolle Chance, uns zu vernetzen und unsere Kompetenzen zum Thema Digitalisierung zu bündeln“, erläutert Prof. Dr. Jörn Borke, der an der Hochschule Entwicklungspsychologie der Kindheit lehrt. Während die Projektgruppe seitens der Hochschule vor allem die Fachkräfte in den Blick nimmt, konzentriert sich das Team der Universität rund um Dr. Henry Herper und Dr. Volkmar Hinz auf die Analyse und Erprobung digitaler Medien für die Kita. Dadurch sollen wissenschaftlich fundierte Aussagen zu den bildungsbezogenen Potenzialen digitaler Medien abgeleitet werden. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen Erziehenden Anknüpfungspunkte und Unterstützung für den Einsatz von Medien im Kita-Alltag bieten.

Sensibilisieren und reflektieren

Mit dem Projekt sollen Erzieherinnen und Erzieher dazu angeregt werden, über ihr eigenes Medienverhalten nachzudenken und ihre Einstellungen zu reflektieren. Dafür sind Interviews mit pädagogischen Fachkräften und Gruppendiskussionen mit Eltern und auch Kindern geplant. Aufbauend auf diesen Gesprächen entsteht ein Reflexionsfragebogen zur Befragung des Fachpersonals. Borke betont: „Uns ist es wichtig, das Thema Digitalisierung ganzheitlich zu betrachten, weshalb die Bedarfe aller Interessengruppen, einschließlich der Kinder, und auch infrastrukturelle Aspekte einbezogen werden.“ Die gewonnenen Erkenntnisse sollen der Entwicklung eines gezielten Weiterbildungsangebotes für Fachkräfte dienen, das modulartig an andere Fortbildungsangebote andockbar sei, so Simon. „Bei uns steht die pädagogische Fachkraft mit ihren Bedürfnissen im Mittelpunkt, hierfür möchten wir individuelle Unterstützung bieten.“

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Projektgruppenleiterin DiKit

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