Neue Wege für den Einzelhandel

Foto: UCDplus GmbH/Bastian Ehl
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„Wir bauen Straßen“, sagt Prof. Dr. Volker Wiedemer, wenn er über sein Forschungsprojekt für die Altmark spricht. Damit meint der Prorektor für Hochschulsteuerung, Hochschulmarketing und den Standort Stendal nicht etwa die Verlängerung der Autobahn 14. Vielmehr stellt die Hochschule Magdeburg-Stendal online eine neue Infrastruktur bereit. Sie soll den gebeutelten Einzelhandel in der Region stärken.

Text: Bianca Kahl

Der Online-Marktplatz www.halloaltmark.de begrüßt Ende 2018 die Region und greift dabei zwei Trends in der Wirtschaft auf: „Während der Online-Handel zweistellige Wachstumsraten verbucht, interessieren sich viele Verbraucherinnen und Verbraucher auch mehr für regionale Produkte“, erklärt Volker Wiedemer. „Man informiert sich online, doch vertraut und unterstützt dann dem Handel von nebenan.“ Rund zehn Prozent mehr würde man dafür bezahlen. Gleichzeitig konkurrieren die kleinsten Läden mit Internet-Riesen wie eBay oder Amazon – unabhängig davon, ob sie selbst online zu finden sind oder nicht. Viele sind es nicht.

„Sie sind skeptisch gegenüber dem Internet. Da ist Überzeugungsarbeit gefragt“, weiß Theresia Laske, die das Projekt seitens der Hochschule mitverantwortet und mit vielen Händlern gesprochen hat. Seit 2016 verbreitete sich das Vorhaben unter dem Arbeitstitel „ROLAND – regionaler Online-Handel“.

Vertrauen gewinnen

Zahlungsverkehr, Rechtssicherheit, IT-Lösungen, Logistik – das wissenschaftliche Spielfeld erstreckt sich weit über wirtschaftliche Fragen hinaus. Das Team lief Einkaufsstraßen ab, verfasste Infobriefe und organisierte abendliche Foren für Anwohner und Händler. Dieses Fundraising der anderen Art, nämlich das „Sammeln“ von Vertrauen, zahlte sich aus: Das Forschungsteam kam zu dem Ergebnis, dass der Bedarf für einen Online-Marktplatz da ist – eine wichtige Voraussetzung für eine Förderung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. Dieses wurde schließlich über das Bundesprogramm „Ländliche Entwicklung“ und das Modellvorhaben „Land(auf)Schwung“ mit ca. 100.000 Euro ins Boot geholt.

Die Testphase konnte starten. Ende 2018 gehen zunächst 16 Unternehmen aus Stendal, Gardelegen und Tangermünde auf der Plattform www.halloaltmark.de online. Sie präsentieren ihre Läden für Bekleidung, Schmuck, Kunst, Spielwaren bis hin zu Feinkost. Der Stendaler Gerberhof von Birgit und Ulf Dähnrich ist einer von ihnen. Dabei hat das Paar „mit Werbung eigentlich nicht so viel am Hut“, räumt Ulf Dähnrich ein.

Mut und Skepsis

Der Gerberhof verkauft Bio-Lebensmittel, beherbergt ein Café und eine Kochschule. Die anhaltende Hitze im Sommer 2018 und eine Vollsperrung aufgrund einer Baustelle haben der Familie zuletzt das Leben schwer gemacht. Dass im ländlichen Raum generell immer mehr Händler aufgeben und Geschäfte zunehmend leer stehen, schmerzt Ulf Dähnrich sehr. Die Ursachen dafür sind vielschichtig. Nach Lösungen im Internet zu suchen, sieht er eher skeptisch. Allerdings ist er bereit, sich auszuprobieren.

Der Gerberhof verfügt bereits über eine eigene, relativ statische Internetpräsenz. Einen Onlineshop könnten sie personell nicht stemmen. Deshalb wollen sie auch www.halloaltmark. de nur als eine Art Schaufenster benutzen. Ein Konzept, das durchaus eingeplant ist: Jedes Unternehmen entscheidet selbst, welche Möglichkeiten es nutzt. Versand oder Reservierung und Abholung vor Ort, Sonderaktionen, Zahlungsarten etc. Der Marktplatz ist für alle und alles offen und soll schon bald Geschäfte aus der gesamten Altmark professionell präsentieren. Eine Plakette am Laden, eine gemeinsame Broschüre und bedruckte Accessoires bewerben das Netzwerk.

Engagement für die Region

Das Weihnachtsgeschäft 2018 wird zur Feuertaufe. Erfahrungen in anderen Regionen zeigen, dass die Menschen allein aufgrund der Werbewirkung vermehrt vor Ort einkaufen – selbst, wenn große Verkaufszahlen direkt über den Internetmarktplatz ausbleiben sollten. Auch die Erwartungen für die Alt- mark sind gut. „Doch auch ein Misserfolg wäre ein Ergebnis“, resümiert Volker Wiedemer, der Wissenschaftler. Der Idealist in ihm hofft aber, insbesondere den Einzelkämpfern ein wenig unter die Arme greifen zu können. Solche Positiv-Effekte für die Region sieht er neben Forschung und Lehre als die „Dritte Mission“ einer Hochschule.

Mehr Forschungsgeschichten im Forschungsmagazin „treffpunkt forschung“ und im Hochschulmagazin „treffpunkt campus“

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