European Youth Culture Award: Fanzines als Forschungsthema

Berlin. Die Respekt!-Stiftung hat am Freitag zum zweiten Mal den European Youth Culture Award (EYCA) vergeben. In der Kategorie „Wissenschaft und Forschung“ war auch der BMBF-geförderte Projektverbund „JuBri-Techniken jugendlicher Bricolage“ von Prof. Dr. habil. Günter Mey, Professor für Entwicklungspsychologie im Fachbereich Angewandte Humanwissenschaften, nominiert.

Im Projekt wurden drei Jahre lang Analysen zu Fanzines erarbeitet. Verfolgt wurde in dem Teilprojekt an der Hochschule Magdeburg-Stendal die Frage der „Inszenierung von Jugend(lichkeit) und Generation(alität)“. Zusammen mit den Forschungsperspektiven der anderen Teilprojekte zu Inszenierung des Politischen, von Gender und von Vergemeinschaftung schufen die Forschenden erstmals einen umfassenden Einblick auf Jugendszenen durch die Analyse von in den Jugendszenen selbst produzierten Medien.

Die Materialgrundlage war eines der Innovationen des Forschungsprojekts, da sie „authentische“ Dokumente darstellen, die etwas über Szenen in Erfahrung bringen, was über Interviews oder andere Methoden weniger möglich ist. Zum anderen leben Fanzines von der Visualität, indem sie collagenartig Sinnzusammenhänge neu herstellen, was methodeninnovative Zugänge erfordert. Hierzu hat Prof. Mey zusammen mit Dr. Marc Dietrich den Forschungsstil der Grounded-Theory Methodologie für visuelle Analysen weiter entwickelt – beide setzen dies gemeinsam in dem im Oktober startenden dreijährigen DFG-geförderten Projekt „Musikvideos, Szenemedien und Social Media – zur Aushandlung von Rassismus im deutschsprachigen HipHop“ fort.

Unter den Preisträgern des EYCA findet sich das Projekt „Making Art, Making Media, Making Change!“ von Elke Zobl (Universität Salzburg). Die Laudatio hielt Günter Mey. „Ich freue mich, dass die Jury ein Projekt für den ersten Preis vorgeschlagen hat, das sich Fanzines widmet“, sagte er auf der Preisverleihung und würdigte die Arbeit von Elke Zobl, die selbst ein Fanzine-Archiv aufgebaut, ein Fanzine-Workshopkonzept ausgearbeitet und daraus hervorgehend eine Toolbox mit künstlerisch-edukativen Materialien für eine kritische Vermittlungspraxis zu Rassismus entwickelt hat. „Zobls wissenschaftliche Arbeit ist eng verknüpft mit ihrem Engagement für zivilgesellschaftliche Partizipation als Teil einer größeren Bewegung für soziale, politische, ökologische und ökonomische Gerechtigkeit.“ Zudem würdigte Prof. Mey, der soeben seine Ausstellung zu „Jugendkultur in Stendal: 1950 bis 1990“ mit einer Finissage abschlossen hat, in seiner Rede die Arbeitsweise von Elke Zobl, die Wissenschaft und Kunst verbindet und bedankte sich bei der Jury und Respekt!-Stiftung, dass sie für solche Arbeiten an den „Rändern“ des Wissenschaftsbetriebs einen Preis vergeben haben.

Insgesamt wurden für drei Kategorien des EYCA über 40 Projekte aus dem In- und Ausland vorgeschlagen. Daraus hat die Jury pro Kategorie jeweils drei Nominierungen festgelegt und wiederum je einen Preisträger bestimmt.

Mehr Informationen

European Youth Culture Award

BMBF-Projektverbund „JuBri-Techniken jugendlicher Bricolage“

DFG-Projekt „Musikvideos, Szenemedien und Social Media – zur Aushandlung von Rassismus im deutschsprachigen HipHop“

Ausstellung „Jugendkultur in Stendal: 1950 bis 1990“

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