Fortsetzung erfolgreicher Stendaler Ringvorlesung: Migration als Chance verstehen!

Foto: Kerstin Seela

Migration. Macht. Gesellschaft: Diese Thematik gehört auf den Campus. Das Organisationsteam der Ringvorlesung (v. l.): Prof. Dr. Katrin Reimer-Gordinskaya, Prof. Dr. Günter Mey, Prof. Dr. Michael Klundt und Prof. Dr. Wolfgang Patzig

Stendal, 08.07.2016. Mit dem Vortrag „Kinder mit Fluchterfahrungen: Zwischen Trauma und Resilienz” von Professor Jörg Maywald, Geschäftsführer der Deutschen Liga für das Kind, endete am Mittwoch die Ringvorlesung „Migration. Macht. Gesellschaft – Gesellschaft. Macht. Integration”. Es war ein gelungener Abschluss für ein sehr gut nachgefragtes Format, das so erstmals am Standort Stendal der Hochschule Magdeburg-Stendal ausgerichtet wurde. Die Hochschule kündigt die Fortsetzung des fachübergreifenden Projektes für das Wintersemester an.

Die Idee zur Ringvorlesung entstand Ende letzten Jahres angesichts der hitzigen Debatte um Geflüchtete in Deutschland, die sich auch in Stendal zeigte und durch Aufmärsche rechtspopulistischer und rechtsextremer Gruppierungen flankiert wurde. „Wir als Hochschule wollten auf die Ereignisse reagieren und uns war es wichtig, dass dies von beiden am Standort Stendal existierenden Fachbereichen – also Angewandte Humanwissenschaften und Wirtschaft – gemeinsam gemacht wird“ sagte Wolfgang Patzig. Der Prorektor ist sichtlich erfreut, dass erstmalig eine gemeinsame Ringvorlesung am Campus ausgerichtet wurde. „Das Anliegen der Ringvorlesung war, differenziert und fundiert über Migration ins Gespräch zu kommen”, so Professorin Katrin Reimer-Gordinskaya, die die Idee einer solchen Veranstaltungsreihe einbrachte.

Gemeinsam mit Günter Mey, Professor für Entwicklungspsychologie, und Michael Klundt, Professor für Kinderpolitik, wurde das Programm zusammengestellt. „Wichtig war uns das Thema aus verschiedenen Blickwinkeln zu behandeln, also aus einer gesellschaftspolitischen, psycho-sozialen sowie sozial- und wirtschaftswissenschaftlichen Perspektive”, sagt Günter Mey, und Michael Klundt ergänzt: „Dabei war unser Anliegen, Berichte aus der Praxis und Bezug auf die Region der Altmark herzustellen und so neben den hochschulinternen Zuhörenden auch viele Interessierte aus der Stadt und dem Landkreis anzusprechen.”

Themenrückblick

Das Organisationsteam war sich schnell einig, dass die Ringvorlesung mit einem Vortrag der bundesweit renommierten Integrationswissenschaftlerin Professorin Naika Foroutan von der Humboldt-Universität Berlin eröffnet werden sollte. Prof. Foroutan, die bereits in der Sarrazin-Debatte immer wieder beklagte, wie emotionalisierend und verzerrend in der Öffentlichkeit argumentiert wird, wenn es um „Fremde“ geht, zeigte anhand vieler aktueller Statistiken und eigenen Forschungsarbeiten auf, dass weniger Erregungskultur angebracht ist und der Blick auf die mit Migration einhergehenden Chancen zu richten wäre. Ebenso wurde im Vortrag von Volker Wiedemer, Professor für Volkswirtschaftslehre, deutlich, dass anstelle der Horror-Szenarien es viel angebrachter ist, den volkswirtschaftlichen Nutzen durch Integration zu erkennen. Der Integrationsbeauftrage des Landkreis Stendal, Björn Maylcha skizzierte die Aufgaben und Herausforderungen für den Landkreis und die Rektorin der Hochschule Magdeburg-Stendal, Professorin Anne Lequy, wiederum stellte die Integrationsarbeit der Hochschule vor und zeigte auf, dass es hierbei um Verantwortung einer Bildungseinrichtung geht und welche Chancen daraus für den Standort erwachsen. Dass die Hochschule den Integrationspreis des Landes Sachsen-Anhalt 2015 erhielt, unterstreicht solches Engagement für eine Willkommens- und Anerkennungskultur. In den fachspezifischen Vorträgen von Dr. Maria Böttche, Leiterin der Forschungsabteilung des Behandlungszentrums für Folteropfer Berlin, und Prof. Jörg Maywald wurde spezieller auf die mit den Geflüchteten zu leistende Arbeit eingegangen. Grade diese beiden Vorträge waren mit Blick auf die Studiengänge Rehabilitationspsychologie und Kindheitswissenschaften am Stendaler Campus von vielen Studierenden besucht. Die herausfordernde Arbeit verlangt neben dem fachlichen Wissen zudem interkulturelle Kompetenzen und das Wissen über rechtliche Rahmenbedingungen.

Fortsetzung folgt

Die gute Resonanz, die inhaltlich gehaltvollen Beiträge und die gute Zusammenarbeit hat die vier Professoren bewogen, weiter zu machen und im Wintersemester die Ringvorlesung fortzusetzen. Und sie sind sich einig: „Nur weil sich gerade die Zahl der ankommenden Geflüchteten verringert, bleiben die aufgeworfenen Fragen und die sich uns stellenden Herausforderungen ungeachtet bestehen, nämlich wie eine gute Integration sozial, kulturell und wirtschaftlich zu gestalten ist und wie wir Migration diskutieren wollen angesichts eines nicht zu akzeptierenden Rassismus und vorherrschender Fremdenfeindlichkeit”.

Kontakt für Nachfragen der Medien

Prof. Dr. habil. Günter Mey
Tel.: (03931) 2187 38 20
E-Mail: guenter.mey@hs-magdeburg.de

Kontakt

Pressesprecher
Norbert Doktor

Tel.: (0391) 886 41 44
Fax: (0391) 886 41 45
E-Mail: pressestelle@hs-magdeburg.de

Besucheradresse: Haus 4, Raum 1.06.2

Kontakt und Anfahrt

Hintergrund Bild