Vermessungstechnik trifft Antike

Mithilfe einer Drohne erstellt das Vermessungsteam ein dreidimensionales Modell der Grabungsstätte, deren kulturelle Geschichte archäologisch untersucht wird. Foto: Stefan Kiel

Aus treffpunkt campus Nr. 97, 01/2018

Aus der Luft lässt sich oft ein besserer Überblick verschaffen. Das gilt auch für die antike Gräberstätte Selinunt auf Sizilien. Zwischen September und Dezember 2017 hat ein Forschungsteam der Hochschule erstmals Drohnen genutzt, um die Ausgrabungsstätte in Italien zu vermessen, zu dokumentieren und in einem dreidimensionalen Modell zu erfassen.

Text: Sebastian Berens

Abtauchen in längst vergangene Zeiten und Geschichte erleben, das ist in Selinunt definitiv möglich. Schon weit vor Christi Geburt wurde die Stätte von unterschiedlichsten Kulturen bevölkert. Einst von Griechen gegründet, von Karthagern eingenommen und zerstört, siedelte zuletzt die punische Bevölkerung auf den Ruinen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler um Dr. Sophie Helas vom Deutschen Archäologischen Institut in Rom gehen insbesondere der Frage nach, ob und in welcher Form sich die Lebensverhältnisse der griechischen von der punischen Stadt unterschieden haben.

Reise in die Vergangenheit

Mithilfe des Forschungsteams um Professor Dr.-Ing. Tobias Scheffler, der das Vermessungslabor an der Hochschule Magdeburg-Stendal leitet werden die Entdeckungen im italienischen Selinunt vermessungstechnisch erfasst und für die Nachwelt dokumentiert, ehe die Ausgrabungsstätte wieder in ihren ursprünglichen Zustand versetzt, sprich zugeschüttet wird. „Wir haben eigentlich schon seit Jahr und Tag für Archäologinnen und Archäologen gearbeitet. Seit einigen Jahren unterstützen wir Dr. Sophie Helas, die als Projektmitarbeiterin die Ausgrabungen des Deutschen Archäologischen Instituts begleitet“, erklärt Prof. Dr.-Ing. Tobias Scheffler. Zusammen mit den Laboringenieuren Michael Jakobi und Stefan Kiel erstellte er so unter anderem bereits einen Flächenplan der antiken Siedlung Gabii 20 Kilometer östlich von Rom (treffpunkt campus Nr. 82).

Altes in neuen Dimensionen

Was genau die Grabungen zutage fördern, ist zwar interessant, spielt für die Vermesser jedoch nur eine nachrangige Rolle: „Es geht in erster Linie um die Dokumentation der ausgegrabenen Objekte unter Einsatz moderner Messmethoden“, berichtet Scheffler. Die Vermessungsarbeiten beginnen daher in der Regel, wenn das archäologische Team schon längst nicht mehr vor Ort ist. Für die Vermessungen werden Drohnen mit Kameras ausgerüstet, die die Ausgrabungsstätte aus der Luft fotografisch festhalten. Eine im Gegensatz zu den klassischen Vermessungsmethoden deutlich elegantere und einfachere Methode: „Die archäologische Dokumentation ist teilweise etwas veraltet. So wird häufig noch mit Millimeterpapier, Messband und Zollstock gearbeitet. Daher ist es besonders spannend, stattdessen Drohnen einzusetzen“, erklärt Tobias Scheffler schmunzelnd. Ein Großteil der Arbeit beginnt aber erst, nach- dem die Drohnen ihren Dienst geleistet ha- ben. Die unzähligen Fotos werden sortiert und in einem weiteren Schritt übereinander gelegt, sodass aus den zweidimensionalen Fotos ein dreidimensionales Modell der Geländeoberfläche entsteht. Für das archäologische Team ein großer Vorteil, denn, dank der 3-D-Aufnahmen kann das Forschungsteam jederzeit das Gelände be- trachten, ohne selbst vor Ort zu sein.

Viel Luft nach oben

Die Einsatzmöglichkeiten dieser Vermessungstechnik scheinen gar unendlich. „Das Besondere ist für mich, dass die Vermessung als Dienstleistung auch für andere Fachbereiche erschlossen wird“, berichtet Prof. Scheffler. Denn auch in den Bereichen des Bauwesens erfreut sich der Einsatz von Drohnen immer größerer Beliebtheit. Unter anderem werden die fliegenden Augen für Brückenwartungen oder Geländeinspektionen im Vorfeld eines Straßenbaus genutzt. Auch in Selinunt werden die Forscherinnen und For- scher aus Magdeburg in Zukunft weitere Vermessungsdienste leisten.

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