Großes für die Kleinen bewirken

Sandra Beetz hat Angewandte Kindheitswissenschaften studiert. Foto: privat

Aus treffpunkt campus Nr. 97, 01/2018

In der Kindheit werden entscheidende Weichen für die Zukunft gestellt. Bei der Entwicklung zu selbstverantwortlich handelnden Persönlichkeiten sind neben der Familie auch Kindertageseinrichtungen wichtige Impulsgeber. Seit sechs Jahren berät Hochschulabsolventin Sandra Beetz pädagogische Fachkräfte in Thüringer Kitas sowie in der Kindertagespflege und unterstützt sie bei der Entwicklung neuer Konzepte und Ideen.

Interview: Sebastian Berens

Welche Erinnerungen haben Sie an ihr Studium in Stendal?
Prägend fand ich den Enthusiasmus der Lehrenden. Alle brannten für ihr Lehrgebiet. Die Praxisnähe, die in den Seminaren und Vorlesungen von den Dozentinnen und Dozenten eingebracht wurde, sowie die familiäre Atmosphäre gefielen mir sehr gut. Der enge Kontakt innerhalb des Studienjahrgangs, aber auch zu Studierenden anderer Semester wurde von den Lehrenden durch jahrgangsübergreifende Seminare befördert und unterstützt. Außerdem fand ich es sehr eindrucksvoll, wie die Studierenden immer wieder tolle Dinge organisierten und damit das doch eher ruhige Stendal sowie das Campusleben bereicherten.

Praktische Erfahrungen konnten Sie auch in Projekten und Praktika sammeln. Wo waren Sie während Ihres Studiums überall tätig?
Ich absolvierte ein Praktikum beim Sächsischen Staatsministerium für Soziales im Referat Kinderbetreuung und soziale Berufe sowie eines beim Thüringer Ministerium für Soziales, Familie und Gesundheit im Referat Familienpolitik. Außerdem verbrachte ich mein Auslandspraktikum in einer Kindertageseinrichtung in Großbritannien.

Seit 2012 arbeiten Sie als Fachberaterin für Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege im Landratsamt Saale-Orla in Thüringen. Worum geht es in Ihrem Job?
Konkret beraten wir die Einrichtungen zur Umsetzung des Thüringer Bildungsplanes, zu rechtlichen Fragen, aber auch in der Weiterentwicklung ihrer Konzepte und in Konfliktsituationen. Beispielsweise ist es so, dass eine Hospitation in der Kindertagesstätte stattfindet und dann zusammen mit den pädagogischen Fachkräften besprochen wird, wie bestimmte Punkte aus dem Thüringer Bildungsplan umgesetzt werden können. Es geht oft darum, neue Ideen in den Alltag der Kindertageseinrichtung einzubringen und auch mal ungewöhnlicher zu denken. Neben Kindertageseinrichtungen ist auch die Beratung von Eltern ein Schwerpunkt. Beispielsweise werden Beschwerden von Eltern über Kindertageseinrichtungen aufgenommen und geklärt. So ist es für Eltern oft hilfreich, Hintergrundinformationen wie rechtliche Bedingungen oder pädagogische Ansätze zu erhalten. Oft sind es Missverständnisse, die zu Beschwerden führen und meist gut zu klären sind. Ein weiterer Teil meiner Arbeit ist die Beratung von Personen, die an einer Tätigkeit in der Tagespflege interessiert sind, sowie die Beratung der Eltern, die ihr Kind in Tagespflege geben wollen.

Wie kann man sich einen typischen Arbeitstag bei Ihnen vorstellen?
Da die Fachberatung sehr breit gefächert ist, gibt es keinen typischen Arbeitstag. Mal verbringe ich den Tag vor Ort in den Kindertageseinrichtungen, ein anderes Mal bin ich im Büro und arbeite an entsprechenden Vor- und Nachbereitungen für den Außendienst oder nehme an hausinternen Beratungen teil. Es kann aber auch sein, dass das Land Thüringen einlädt, um beispielsweise gesetzliche Neuerungen zu besprechen. Das ist das Besondere an dem Job: die Abwechslung.

Inwieweit hat Sie Ihr Studium auf die jetzige Tätigkeit vorbereitet?
Das Studium an der Hochschule war sehr fundiert und hat eine besonders praxisnahe Vorbereitung geleistet. So passiert es heute noch häufig, dass ich auf Studienwissen zum Beispiel zum Thema Bindung oder Familiensoziologie zugreife, um pädagogischen Fachkräften bestimmte Sachverhalte näherzubringen. Natürlich bedarf es in jedem Beruf einer Einarbeitung, gerade auch im Rahmen der Fachberatung, da dies ein sehr spezieller Zweig ist, für den es in Thüringen keine gesonderte Ausbildung gibt.

Wenn Sie die Wahl hätten: Würden Sie sich heute noch einmal für das Studium entscheiden?
Ja, definitiv. Ich hätte auch gern den Master-Studiengang Kindheitswissenschaften und Kinderrechte studiert, der aber erst nach meiner Zeit angeboten wurde.

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