„Nehmt alles mit, was geht!”

Vom Architekturstudenten zum Geschäftsführer: Der Dresdner Ingmar Franke hat in Magdeburg studiert und leitet heute ein IT-Unternehmen in seiner Heimat. Foto: privat

Aus treffpunkt campus Nr. 88, 01/2016

Dr.-Ing. Ingmar Franke ist Geschäftsführer eines IT-Unternehmens in Dresden. Der 39-Jährige begann seine Karriere an der damaligen Fachhochschule Magdeburg, wo er bis 2000 Architektur studierte. In seiner „Gesellschaft für Technische Visualistik mbH” (GTV) beschäftigt er 13 Festangestellte und viele Freiberufler.

Interview: Nico Pfeil

Als Chef von 13 Mitarbeitern im Wettbewerb der IT-Branche tragen Sie viel Verantwortung. Wie gehen Sie damit um?

Den Spaß nicht verlieren und stetig Herausforderungen ins Positive wenden, so würde ich es vielleicht zusammenfassen. Allerdings bin ich nicht der alleinige Eigentümer der Firma. Ich bin größter Anteilseigner, teile mir die Firma jedoch mit zwei Kollegen aus der ersten Stunde.

Wann schlug denn die erste Stunde?

Das war 2006. Damals noch im Schoß der Technischen Universität Dresden. Nach sechs Jahren, also 2012, folgte dann aus rein unternehmerischen Gründen die Verselbständigung.

Und damit kam das große Geld?

Vor allem kam nach 2012 das Haftungsrisiko. Wir programmieren zum Beispiel Software für große Unternehmen aus der Industrie. Wenn da ein Fehler auftritt und nach der Installation die Förderbänder stehen bleiben – was uns noch nie passiert ist, aber im Bereich des Möglichen liegt – könnten wir dicht machen. Rumeiern kann sich niemand leisten. Mit der Gründung der GmbH mussten wir außerdem aus den Räumen der Hochschule raus und zum Beispiel unsere Büros finanzieren. Fördermittel und Risikokapital haben wir dafür aber nicht in Anspruch genommen. Damit sind wir im unternehmerischen Denken und Handeln frei.

Ihre Firma, worum geht es da genau?

Stellen Sie sich vor, dass in Unternehmen unheimlich viele Daten anfallen, ganz unterschiedlicher Art. Das können Patientenakten in Krankenhäusern, Produkteigenschaften in der Industrie oder beispielsweise Dokumente in Archiven sein. Diese Informationsfluten müssen bewältigt werden. Das ist die Herausforderung. Große Softwareunternehmen bieten hier häufig nur Standardsoftware, die den Nutzern wenig Spielraum bietet. Unser Ansatz ist, gemeinsam mit dem Kunden zu schauen, welche Daten und Informationen mit welchem Ziel verarbeitet und visualisiert werden sollen und wer sie später wie nutzen möchte. Zu erfüllen sind dabei nicht nur funktionale, sondern auch kognitive und ästhetische Anforderungen. Das Ergebnis liegt dann weit oberhalb einer üblichen Software bzw. Interfaces und bietet genau das, was der User haben möchte.

Wohin geht es mit der GTV in Zukunft?

Meine Partnerin und ich leben, seit wir uns im Studium an der Hochschule kennengelernt haben, im berufsbedingten Wechsel zwischen gemeinsamer und getrennter Wohnung. Zurzeit bin ich unter der Woche in Dresden und am Wochenende in Magdeburg. Um die Pendelei etwas zu reduzieren, kann ich mir vorstellen, dass ich bis Mitte 2016 eine Zweigstelle im Raum Magdeburg eröffne. Die Stadt bietet viele Möglichkeiten, liegt zentral und die Kosten sind attraktiv.

Ein Blick in Ihre Vita verrät, Sie haben in Magdeburg auch an der Otto-von-Guericke-Universität studiert, waren am Fraunhofer-Institut tätig und haben an der TU Dresden geforscht, gelehrt und letztlich promoviert. Welche Rolle spielt die Hochschule in diesem Gefüge?

An der Hochschule in Magdeburg habe ich zwischen 1996 und 2000 studiert. Aus der Zeit ist mir vor allem ein Praxisprojekt in Erinnerung geblieben. Wir Architekten haben mit Studierenden aus dem Sozialwesen zusammengearbeitet und die Erweiterung einer Werkstatt für Behinderte geplant. Da hat man als Architekt den Bezug zur Praxis bekommen, der Uni-Absolventen häufig fehlt. In diesem Zusammenhang wurde mir klar, dass es später auf die gelungene Verknüpfung von unterschiedlichen Fachrichtungen ankommen würde, und ich begriff, wofür man eigentlich studiert.

Welchen Tipp würden Sie heutigen Studierenden geben?

Nehmt alles mit, was geht. Schlafen könnt ihr später. Und wartet nicht so lang mit dem Nachwuchs. Heute ärgere ich mich etwas, erst mit 35 Jahren Papa geworden zu sein.

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