Das Hobby zum Beruf gemacht

Foto: privat

Aus treffpunkt campus Nr. 85, 04/2015

Shopping mit Angela Merkel, auf Reisen mit Außenminister Steinmeier und ein deutsches Jubiläum in der New York Times. Nach seinem Studium begann Bildjournalist Lukas Schulze sein aufregendes Volontariat bei der dpa (Deutsche Presse-Agentur GmbH) in Berlin. Sein Traum: Die olympischen Spiele begleiten.

Interview: Britta Häfemeier

Wie sind Sie Bildjournalist bei der dpa geworden?
Ich habe schon immer gern fotografiert und schließlich Bildjournalismus am Fachbereich Kommunikation und Medien der Hochschule studiert. Im Jahr 2014 habe ich mein Bachelor-Studium erfolgreich abge- schlossen. Danach bewarb ich mich bei der dpa in Berlin um ein Volontariat und wurde glücklicherweise angenommen.

Wann wurde die Fotografie mehr als nur ein Hobby?
Mit 15 Jahren habe ich mit der Sportfotografie angefangen und jede freie Minute in mein Hobby investiert. Angefangen hat es in meinem Leichtathletikverein. Ich war verletzt und konnte nicht antreten, also habe ich die Wettkämpfe fotografiert und die besten Bilder an die Sportler oder an deren Angehörige verkauft. Mit diesem selbstverdienten Geld konnte ich mir immer bessere Technik leisten, wodurch die Qualität der Bilder stets gestiegen ist.

Wie hat Ihnen Ihr Studium dabei geholfen?
Während meines Studiums habe ich schon einige Redaktionspraktika gemacht, welche die Theorie ganz gut ergänzt haben. Bei meinem Praktikum bei der dpa in Hannover habe ich gelernt, wie man auch außerhalb der Sportfotografie bedeutungsvolle Fotos macht. Das war für meine jetzige Arbeit sehr hilfreich, denn heute fotografiere ich viel in der Politik und der Wirtschaft. Mein Auslandspraktikum habe ich bei einer Tageszeitung in Nashville absolviert. Dort konnte ich vor allem meine Englischkenntnisse vertiefen, die man als Fotojournalist einer großen Nachrichtenagentur unbedingt benötigt.

Wie sieht ein ganz normaler Arbeitstag bei Ihnen aus?
Einen „normalen“ Arbeitstag gibt es im Bildjournalismus nicht. Normalerweise habe ich mehrere Termine an einem Tag, die ich vor- und nachbereiten muss. Das Foto steht natürlich immer im Vordergrund. Die Zeitungsleser müssen beim Betrachten des Bildes auf einen Blick erkennen, worum es geht. Für jedes Bild bereite ich zusätzliche Bildinformationen vor, damit direkt ersichtlich ist, wer auf dem Foto zu sehen ist und bei welchem Termin es aufgenommen wurde. Nach Freigabe können alle Kunden der dpa auf das Foto und die Bildinformationen zugreifen. Ist der Termin international relevant, kann es passieren, dass ein Foto weltweit verbreitet wird. Die New York Times druckte beispielsweise eines meiner Fotos vom 25. Jahrestag des Mauerfalls in Berlin auf ihre Titelseite.

Was hat Sie in Ihrem Job bisher am meisten beeindruckt?
Am Anfang meines Volontariats besuchte der chinesische Ministerpräsident Berlin. Er traf sich mit verschiedenen Politikern. Durch Zufall erfuhr mein Kollege, dass der Ministerpräsident gemeinsam mit Angela Merkel einkaufen gehen wolle. Wir sind also direkt in den Supermarkt gefahren, wo die Bundeskanzlerin gewöhnlich einkauft. Und wir hatten Glück – als immer mehr Journalisten zu diesem Einkaufsmarkt kamen, wussten wir, dass wir richtig sind.

Und haben Sie ein gutes Foto von der Bundeskanzlerin machen können?
Bereits bevor die Bundeskanzlerin mit dem chinesischen Ministerpräsident den Supermarkt betrat, habe ich mir Gedanken über das Foto gemacht. Ich wollte ein Foto mit Angela Merkel mit Portemonnaie in der Hand, Lebensmitteln und Li Keqiang an der Kasse machen. Also habe ich frühzeitig beobachtet, an welche Kasse sich die beiden anstellen und mich direkt dort positioniert. Letztendlich hab ich ein Foto geschossen, das sich rasant verbreitete und in vielen Boulevardzeitungen abgedruckt wurde.

Sie fotografieren nicht nur Politiker, sondern waren ja auch schon mit Frank-Walter Steinmeier in Nordafrika unterwegs.
Genau, wir begleiten den Außenminister Steinmeier bei fast jeder seiner Auslandsreisen. Dieses Mal hat er sich mit mehreren Staatsoberhäuptern in Nordafrika getroffen, um mit ihnen über die Flüchtlingspolitik zu diskutieren. Die Reise war so super durchgeplant, dass es einfach Spaß gemacht hat. Es fühlte sich gar nicht wie Arbeit an. Jeder wusste was zu tun ist, und das Wichtigste, um Fotos schnell wegschicken zu können: Die Mitarbeiter der Botschaft, die uns in dem jeweiligen Land begleitet haben, hatten immer einen WLAN- Hotspot dabei.

Was würden Sie Studierenden raten?
Versuche dich mit deinen Bildern aus der Masse hervorzuheben. Sei auf der Suche nach dem anderen Foto, beispielsweise mit außergewöhnlichen Perspektiven, aus der man die Situation noch nie gesehen hat.

Wenn Sie nicht Bildjournalist wären, was würde stattdessen auf Ihrer Visitenkarte stehen?
Ich habe lange überlegt, womit ich mein Geld sicherer verdienen könnte, als mit Bildjournalismus. Mir ist aber leider nichts eingefallen. Ich schätze sehr, dass ich jeden Tag unterwegs bin, mich immer wieder auf neue Dinge einstellen muss und dabei kreativ sein darf. Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht und das ist schließlich das Beste, was mir passieren konnte.

Was ist Ihr Traum für die Zukunft?
Eines Tages möchte ich zu dem Fotografenteam gehören, welches die größte Sportveranstaltung der Welt fotografisch begleitet – die Olympischen Spiele!

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