Ein Job in 22 Sprachen

Im Job managt Christin Sonnberger 22 Sprachen. Foto: Urs Buser

Aus treffpunkt campus Nr. 79, 04/2014

Christin Sonnberger hat im März 2009 ihr Studium an der Hochschule Magdeburg-Stendal abgeschlossen. Studiert hat die 29-Jährige Fachkommunikation mit der Fachrichtung Technik und Naturwissenschaften. Ihre Sprachkenntnisse in Deutsch, Englisch und Spanisch setzt sie heute in einem Schweizer Maschinenbauunternehmen ein.

Interview: Nancy Wöhler

Wie hat Sie Ihr Studium auf Ihren heutigen Beruf vorbereitet?
Im Hauptstudium habe ich mich mit vertiefenden Terminologiekursen auf das Arbeitsfeld des Terminologen vorbereitet. Die Technikkurse und Übersetzungsübungen haben mich insofern auf meinen Beruf vorbereitet, dass ich die Sachverhalte im Unternehmen schneller erfasse und mich sowohl in Kunden als auch in Dienstleister und Übersetzer besser hineinversetzen und somit besser vermitteln kann.

Terminologie im Unternehmen – was genau bedeutet das?
Ist man als Terminologe in einem Unternehmen angestellt, kümmert man sich hauptsächlich darum Fachausdrücke eines Bereichs zu ordnen, zu speichern und diese in alle Bereiche eines Unternehmens zu transportieren. Im Großen und Ganzen geht es um die Vereinheitlichung der Fachsprache – die Schaffung einer Unternehmensterminologie.

Für welches Unternehmen arbeiten Sie heute?
Ich arbeite derzeit als Terminologin für die Klingelnberg AG in Zürich. Hierbei handelt es sich um ein Maschinenbauunternehmen mit ca. 1.300 Mitarbeitern weltweit. Klingelnberg ist in den Bereichen Kegelrad- und Stirnradtechnologie sowie in der Antriebstechnik und der Fertigung von Präzisionsmesszentren führend tätig.

Was sind Ihre Aufgaben in der Firma?
Als Terminologin verwalte ich die Terminologiedatenbank in 22 Sprachen und bin Ansprechpartnerin für unsere Übersetzer und Übersetzungsbüros. Ebenso in meinen Aufgabenbereich fallen das Korrekturlesen von Anleitungen und Marketingtexten sowie die Vertretung des Übersetzungsmanagements.

Wie muss man sich Ihren Berufsalltag vorstellen?
In der Regel bearbeite ich größere Terminologieprojekte, wie zum Beispiel das Auffüllen der Datenbank mit einer neuen Sprache oder das komplette Überarbeiten einer bestehenden Sprache. Aber auch kleine Änderungen an einzelnen Einträgen oder sprachliche Anpassungen der Fachausdrücke sind an der Tagesordnung. Aber auch der Austausch mit den Kollegen – vor allem den Technischen Redakteuren und Entwicklern– ist sehr wichtig, damit Konsistenz bei der Benennungsbildung garantiert werden kann und man immer auf dem aktuellsten Stand ist. Zudem stehe ich täglich in direktem Austausch mit unseren freiberuflichen Übersetzern und Übersetzungsbüros.

Was reizt Sie an Ihrem Job besonders?
Zum einen reizt mich an dieser Arbeit, dass sie in mehrere Aufgabenbereiche geteilt ist und es immer etwas Neues und Spannendes zu entdecken gibt. Zum anderen ist es ein Balanceakt zwischen Flexibilität und restriktiven Vorgaben.

Welchen Herausforderungen stehen Sie bei Ihrer Arbeit gegenüber?
Es ist eine große Herausforderung, das Bewusstsein für Terminologie und deren Bedeutung auch bei den anderen Kollegen zu wecken. Als Terminologe ist man besonders auf das Fachwissen der Experten angewiesen. Hierbei bedarf es Überzeugungskraft, Verhandlungsgeschick und Argumentationsvermögen. Die Personen, die an der Terminologiearbeit beteiligt sind, müssen dafür begeistert und der Nutzen muss ihnen aufgezeigt werden. Das ist nicht immer leicht, aber es lohnt sich am Ende für alle Beteiligten.

Was empfehlen Sie Studierenden Ihrer Studienrichtung? Haben Sie Tipps für den Berufseinstieg?
Die Studierenden sollten schon frühzeitig austesten, was ihnen Spaß macht. Praktika – sowohl während des Studiums als auch danach – können hierbei eine wichtige Rolle spielen. Meist wird der Einstieg in die Berufswelt erleichtert, der Beruf kann kennengelernt und erste Erfahrungen gesammelt werden. Ebenfalls kann man bei einem Praktikum oder auf Tagungen erste Kontakte knüpfen, die später vielleicht hilfreich sind. Ich empfehle jedem Studierenden neugierig und engagiert zu sein und auch vor Angeboten im Ausland nicht zurückzuschrecken, falls sich die Gelegenheit ergibt.

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