Die Studienzeit genießen

Friederike Krause ist Jugendarbeiterin beim KAP Torgau e. V. Foto: Eric Zimmemann

Aus treffpunkt campus Nr. 74, 05/2013

Als Studentin engagierte sich Friederike Krause ehrenamtlich bei zahlreichen Projekten. Das Studium im Bereich Soziale Arbeit gab ihr die Möglichkeit, in ein breites Berufsfeld einzusteigen. Heute ist sie Jugendarbeiterin beim KAP Torgau e. V.

Interview: Nancy Wöhler

Warum haben Sie sich für diesen Studiengang entschieden?
Ich persönlich finde es schwierig, sich mit 18 oder 19 Jahren zu entscheiden, was man für den Rest seines Lebens tun möchte – denn das ist ja im Idealfall so. Also habe ich etwas gesucht, bei dem ich später viele Möglichkeiten habe bezüglich der Berufswahl.

Welche praktischen Erfahrungen konnten Sie während des Studiums sammeln?
Im Rahmen der Studienpraktika habe ich in einem Praktikum in der Rehabilitationsklinik für Suchterkrankungen in Magdeburg erste Erfahrungen gesammelt. Das Semesterpraktikum habe ich dann in Leipzig in einem Übernachtungshaus für aktiv konsumierende Heroin-Abhängige absolviert. Hier war ich auch nach Ende des Praktikums für lange Zeit ehrenamtlich tätig. Außerdem habe ich auch aktiv im Orga-Team der ersten Kinderstadt Magdeburg Elberado 2010 mitgewirkt. Ich bin seit meiner Jugend in diversen Vereinen ehrenamtlich tätig und habe das auch während des Studiums fortgesetzt.

Wo arbeiten Sie und wie sind Sie zu dieser Tätigkeit gekommen?
Seit Mai 2012 bin ich beim KAP Torgau e. V. (Kulturelles Aktionsprojekt Torgau) als Jugendarbeiterin fest angestellt. Im Grunde bin ich da eher durch Zufall reingerutscht. Ich hatte mein Studium um ein Semester verlängert und war somit bis April 2012 an der Hochschule eingeschrieben, habe meine Arbeit aber bereits im Januar beendet. Um die Zeit zu nutzen, habe ich im Soziokulturellen Zentrum Kulturbastion gearbeitet und nebenbei Bewerbungen geschrieben. Die damalige Jugendarbeiterin im KAP hatte dann aufgehört und mein Chef, Uwe Narkunat, fragte mich, ob ich mir vorstellen könnte den Job zu übernehmen. Seitdem bin ich wieder in meiner Heimatstadt Torgau.

Wie sieht Ihr typischer Arbeitstag aus?
Das ist wirklich sehr verschieden. Da ich vorrangig Kinder- und Jugendarbeit mache, bin ich für die Betreuung des offenen Treffs, des festen Angebotes und des Jugendcafés zuständig sowie für die Beantragung, Organisation und Durchführung von Projekten. Über den Lokalen Aktionsplan Nordsachsen führe ich mit einer freien Referentin für politische Bildungsarbeit Workshops für Demokratie und Toleranz durch. Weiterhin bin ich auch im ganz normalen Veranstaltungsbetrieb unserer Einrichtung tätig. Wir veranstalten Konzerte, Kabarett, Lesungen, haben ein hauseigenes Kino und bieten Räumlichkeiten für Seminare und Feierlichkeiten an.

Was ist das besondere an Ihrer Arbeit?
Dass sie so abwechslungsreich ist. Ich glaube, ich wäre nicht so glücklich mit meinem Job, wäre es nur die Arbeit im Jugendzentrum. Durch die Veranstaltungen in der Kulturbastion hat man einen ganz anderen Bereich dabei, der die Arbeit nur noch interessanter macht. Ich habe immer mit Menschen zu tun, lerne viele Leute kennen und habe vor allem in der Kinder- und Jugendarbeit immer die Möglichkeit Sachen auszuprobieren.

Gibt es eine Person, die Sie während des Studiums inspiriert hat?
Inspiriert ist für mich das falsche Wort. Am prägendsten ist für mich im Nachhinein aber die Erfahrung gewesen die Kinderstadt Elberado auf die Beine zu stellen. Heiko Bergt als Projektleiter war großartig. Er hat uns den Freiraum gegeben, uns innerhalb der Projektgruppe auszuprobieren und uns zu jeder Zeit unterstützt. Aus meiner Sicht ging das weit über seine Arbeit als Dozent hinaus.

Was würden Sie Studierenden dieser Fachrichtung während und nach dem Studium raten?
Auf jeden Fall ist es wahr, wenn eure Eltern sagen, dass das Studium mit die beste Zeit eures Lebens ist. Man sollte sich ausprobieren, herumexperimentieren, Erfahrungen sammeln, jede Menge Leute kennenlernen und sich selbst kennenlernen und finden. Die Zeit einfach genießen, denn sie ist viel zu schnell wieder vorbei. Versucht so viel ehrenamtliche Arbeit zu machen wie ihr könnt. Macht eure Praktika in verschiedenen Bereichen, um andere Arbeitsfelder kennen zu lernen.Das Ende des Studiums ist nicht das Ende vom Dazulernen – Weiterbildungen sind eine tolle Sache, um seinen eigenen Horizont zu erweitern und praktische Erfahrungen zu sammeln. Auch wenn ihr Sozialarbeiterinnen oder Sozialarbeiter werdet, bewahrt euch euer Privatleben. Sozial hin oder her, irgendwann ist auch mal Feierabend! Das Erste, was ihr euch aneignen müsst, ist das Verhältnis von Nähe und Distanz und auf euch selber aufzupassen.

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