Schule schwänzen für die Zukunft

Karikatur: Phil Hubbe

Aus treffpunkt campus Nr. 103, 03/2019

Dank „Fridays for Future“ sind junge Menschen so präsent wie schon lange nicht mehr. Sie stehen auf und setzen sich für ihre Meinung ein. Aber was bewirkt dieses scheinbar plötzliche politische Engagement bei anderen? Was macht das mit uns als Gesellschaft? Darüber diskutiert Prof. Dr.-Ing. Gilian Gerke immer wieder mit ihren Studierenden – konstruktiv und wertschätzend.

Text: Prof. Dr.-Ing. Gilian Gerke, Studierende und die Arbeitsgruppe Rohstoffwerkstatt

Der Zeitpunkt zur Einhaltung der Klimaziele, der Vermeidung von Abfall in den Ozeanen oder der Minderung des Artensterbens ist nicht heute oder morgen. Dieser Zeitpunkt war vor zwanzig Jahren! Seit Jahrzehnten ging die Jugend nicht mehr auf die Straße und interessierte sich kaum für Politik. „Fridays for Future“ gibt der Frustration einer ganzen Generation ein Gesicht. Eine Generation, die mit der Wahrheit aufwächst und die weiß, wie wichtig Umweltschutz ist. Die Jugend gehorcht nicht mehr, sie handelt nun und setzt sich den Erwachsenen, der Politik und der Gesellschaft entgegen. Es passiert etwas und trotz ihres Alters wissen sie von ihrem Recht, auf die Straße zu gehen und ihrer Meinung endlich Gehör zu verschaffen, Gebrauch zu machen.

Hochschulen und Universitäten gelten (oder galten?) jeher als Vorreiter für vorausschauendes Denken und politische Auflehnung. Doch dieses Mal sind die Schülerinnen und Schüler den Studierenden einen Schritt voraus. Als Studierende und Lehrpersonal ist es unsere Aufgabe, dass wir einen Teil der Antworten auf ihre Fragen bereitstellen und sie bei ihren Bemühungen unterstützen, unsere gemeinsame Zukunft ein Stück besser zu machen. Die Wut dieser Jugend ist ein Geschenk und es liegt an uns, sie wahr- und entgegenzunehmen! Die politische Mitsprachebereitschaft darf nicht durch Missachtung oder Ignoranz beantwortet werden, sondern in ein unbeugsames Bestreben nach einer besseren Zukunft gewandelt werden, die frei von blindem Aktionismus und fauler Kompromisse sein muss.

Es ist wichtig, dass sich vor allem die junge Bevölkerung für eine bessere Klimaschutzpolitik interessiert und auch einsetzt. Es ist dabei nur bedenklich, dass eine als unpolitisch abgestempelte Generation sich so schnell als politische Umweltaktivisten sieht. Ihr Engagement ist in erster Linie als Zeichen an die Politik zu verstehen. Es ist Zeit, unsere Einstellung zur Natur und den Umgang mit der Umwelt zu verändern. Es ist Zeit, die politischen Handlungsspielräume aufzuzeigen. Die Politik ist nun am Zuge, aber auch jeder von uns kann etwas tun: durch den Kauf bestimmter Produkte, ob mit Plastiktüte oder ohne, überregional oder regional, jede Fahrt mit Verkehrsmitteln, privat oder öffentlich. Es liegt also an uns als Gesellschaft, unseren Willen auch in die Tat umzusetzen.

Die jüngsten Europawahlen geben den Protesten recht? Oder ist es gerade ein beliebtes Thema, das sich gut vermarkten lässt? Ist man erfolgreicher, wenn man auf diesen Zug aufspringt? Fragen sind erlaubt, müssen erlaubt sein, denn das macht unsere Demokratie aus. Dazu gehören auch kritische Fragen. Konstruktiv und wertschätzend muss dies geschehen. Auch wenn man nicht mit allem einverstanden ist, was aus der „Fridays for Future“-Bewegung hervorgeht, ist es wichtig, dass man dann nicht abgestempelt wird: als Gegner, als Schlechtmensch. Dazu gehört auch die Frage: Wäre die Bewegung auch so gut besucht, wenn die Demonstrationen samstags oder in den Ferien wären? Können nicht die gleichen Botschaften mit ähnlicher Kraft an einem anderen Tag transportiert werden?

Es ist sehr gut, dass dem Umweltschutz in Form von Aktivitäten und Bewegungen wie „Fridays for Future“ in unserer Gesellschaft mehr Beachtung geschenkt wird. Viel zu lange wurden solche Themen nur von Fachleuten der Umweltschutzvereine oder Instituten aufgedeckt und angesprochen. Dabei betrifft gerade der Klimawandel jeden von uns und nur durch gemeinsames und anhaltendes Handeln können nachhaltige Veränderungen und Erfolge realisiert werden.

Mit „Fridays for Future“ erheben die jungen Menschen, welche die Leidtragenden unserer Klimapolitik sein werden, ihre Stimme und halten der breiten Öffentlichkeit die Probleme sowie ihre Meinung dazu vor Augen.

Wenn die Bewegung weiterwächst, was sie hoffentlich wird, könnte sie zu einer der größten globalen Bewegun- gen überhaupt werden mit keinem geringeren Ziel als dem Erhalt unserer Erde. So lasset uns „Fridays for Future“ gemeinsam unterstützen!

Gedanken sammeln, abwägen und bewerten – unsere Profs haben immer eine Meinung. Ihren Blick auf aktuelle Themen kannst du in unseren Kommentaren nachlesen.

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Aktuelle Ausgabe: Nr. 104, 04/2019

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