Das Hochschulmagazin enthält Berichte, Reportagen und Interviews rund um die Hochschule Magdeburg-Stendal aus den Bereichen Hochschulpolitik, Forschung, Alumni, Internationales, Kunst und Kultur, studentische Aktivitäten und Hochschulsport.

Aus treffpunkt campus Nr. 101: Unikate aus Licht und Schatten

Die Kamera als experimentelles Werkzeug: In Uwe Manns Studienprojekt „Lichtgestaltung“ ließen sich die Studierenden Raul Llamas Schimpel, Elisa Georgi und Felix Ernemann (v. l.) von Motiven im Bauhaus-Stil inspirieren und hüllten Werke der Künstler Andreas Feininger, Hannes Meyer, František Drtikol und André Kertész erneut in Licht und Schatten. „Im Prozess hat mich vor allem der Forschungsgeist getrieben, dem Damals auf den Grund zu gehen und ins Heute zu übertragen“, beschreibt Studentin Elisa, die seit über zehn Jahren ihrer Leidenschaft, der analogen Fotografie, nachgeht und selbst hohen Wert auf Authentizität legt: „Ich fotografiere am liebsten Menschen, nah und ohne viel Tamtam, um den Moment festzuhalten, wenn die Unsicherheit oder Schüchternheit abfällt und das unverstellte Ich im Menschen zum Vorschein kommt.“ Im Projekt arbeiteten die Studierenden nach der Methode von Stanley Kubrick, in der jede Person – von der Planung und Logistik, der Szenografie, Kostüm, Kamera, Licht und Postproduktion – sich einem Hauptgebiet widmete und kleinere Nebenaufgaben übernahm.
Vorbereitung für „The Photojournalist“: Die Bildsprache ist die einzige Sprache, die überall in der Welt verstanden wird, war sich Andreas Feininger sicher. Für das LIFE-Magazin erzählte er 20 Jahre lang Geschichten in Bildern. Anfang der 1950er-Jahre erschien hier auch „The Photojournalist“. Das Bild zeigt ein Portrait des Magnum-Fotografen Dennis Stock, in dessen Rolle Studentin Katharina Vorndran geschlüpft ist. „Es war gar nicht so leicht, die richtige Apparatur zu finden“, erinnert sich Elisa Georgi. Uwe Mann ergänzt: „Die Kamera ist im Original eine Leica mit einem 2.0-Objektiv. Der Sucher, den wir letztlich in einem Leitz-Laden in Charlottenburg ausfindig machen konnten, musste so leicht versetzt sein, dass er tatsächlich die Augen des Menschen mimt.“ Andreas Feininger war ein begeisterter Autodidakt, der während seines Architekturstudiums am Bauhaus viel in der Dunkelkammer experimentierte und eigene Kameras mit enormer Teleoptik baute. So entstanden beispielsweise seine bekannten Bilder von der New Yorker Skyline. Die für ihn wichtigste Voraussetzung für ein gutes Foto: ein wahrhaftiges Interesse am Motiv.
Das Credo des Bauhauses, das 1919 vom Architekten Walter Gropius gegründet wurde, war es, Kunst und Handwerk in den Dialog zu bringen und Produkte für das Volk zu gestalten. Sein Nachfolger Hannes Meyer, der 1926 das Foto „Construction“ aufnahm, reformierte die Lehre und führte u. a. neue technische, natur- und geisteswissenschaftliche Fächer wie die Fotografie ein. Diese galt zuvor lediglich als Mittel für Dokumentationen und Publikationen, nicht jedoch als eigenständiges Experimentierfeld. Unter dem Fotografen Walter Peterhans entstanden an der Kunstschule vor allem Stillleben und Porträts, abstrakt, dynamisch, aus interessanten Blickwinkeln. Meyer vertrat zudem die Ansicht, das Bauhaus sei von seiner Vision abgekommen und warb von nun an mit dem Slogan: „Volksbedarf statt Luxusbedarf!“ Mit dem Aufkommen des Nationalsozialismus wurde das Bauhaus geschlossen. Seine Künstler hinterließen dennoch weltweit Spuren.
Vorbereitung für „Nude“: Eine gute Fotografin hat ihr Motiv genau im Blick, weiß Studentin Diana Elschner, die bereits bewegende Bildserien im Rotlichtviertel Indiens geschossen hat (treffpunkt campus Nr. 98). Im Projekt „Lichtgestaltung“ verkörpert sie die Figur der „nackten“ Protagonistin von František Drtikol, die sich harmonisch in Licht und Schatten einfügt. Der Tscheche erlangte mit seiner Aktfotografie – zu seiner Zeit ein Tabu – international Anerkennung. Dabei die exakte Position zu finden, in der Licht, Perspektive, Requisiten und Haltung dem Original am nächsten kommen, ist eine Herausforderung. Eines der besten Nachbildungen entstand mit einer Corki, eine Leica-Replik, mit 50-Millimeter-Festbrennweite. Die Wahl der Kameraapparatur ist wie die Besetzung der Protagonistin ein sensibles Thema. „Erst wenn diese einzelnen Aspekte optimal vorbereitet sind, lohnt es sich, das Licht einzurichten“, erklärt Uwe Mann. Noch vor dem Zweiten Weltkrieg gab František Drtikol die Fotografie auf und widmete sich fortan der Malerei. Nach seinem Tod geriet sein fotografisches Werk in Vergessenheit. Erst eine Ausstellung von Kunsthistorikerin Anna Fárová im Jahr 1972 widmete sich wieder seinem Schaffen.
Ein ungewöhnlicher, fotografischer Blick war das Markenzeichen von André Kertész. Die Nachbildung des Fotos „Fork“, zu deutsch „Gabel“, stellte die Studierenden vor eine besondere Herausforderung. Da die Form der Gabel maßgebend das Wirken des Bildes beeinflusst, galt es, so nah wie möglich am Original zu bleiben. Der aus Ungarn stammende André Kertész zog 1925 nach Paris, wo er drei Jahre später die Gabel mit seiner klaren Einfachheit fotografierte. Seine Bilder bewegen sich zwischen Surrealismus, Neuer Sachlichkeit und intuitiver Momentaufnahme. So gehören nicht nur Straßenszenen und Porträts
zu seinen Werken, sondern auch Aktfotografien, auf denen er seine Modelle mithilfe von Zerrspiegeln außergewöhnlich inszenierte.

Die ganze Geschichte und alle Bilder in der aktuellen treffpunkt campus.

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