Bli en miljöhjälte!*

Plogging heißt die neue Trendsportart, die aus Schweden, dem Land der Innovationen, hohen Bildungsstandards und tief verwurzelten Nachhaltigkeitsgedanken, zu uns herübergeschwappt ist. Fotos: Matthias Piekacz

Aus treffpunkt campus Nr. 102, 02/2019

*Sei ein Umweltheld! So lautet der Leitspruch des „Plogga“, einer skandinavischen Trendsportart, welche sich nicht viel mehr als die Rettung des Planeten zum Ziel gesetzt hat. Warum sie daneben vielleicht den nötigen Ansporn für chronische Sportmuffel liefert, beantwortet unser Redakteur Daniel Agha Amiri im Selbstversuch.

Text: Daniel Agha Amiri

Ich hasse laufen. Dieses Statement klingt vielleicht sehr drastisch, eindimensional und für viele Laufbegeisterte absolut absurd und unverständlich, es entspricht jedoch vollkommen meiner mentalen Einstellung zu diesem überaus beliebten Ausdauersport. Für mich stehen dabei weniger die körperliche Belastung oder äußeren Einflüsse wie Wind und Wetter im Vordergrund, sondern die mich subjektive allumgreifende Monotonie des Laufens. Und wer kann zudem behaupten, dass ihm Laufen von der ersten Minute an mehr Freude als scheinbar unüberwindbare Qualen bereitet hat? Zeit in der Natur verbringe ich gern, nur schaffe ich es nicht, mich an dieser zu erfreuen, wenn der innere Schweinehund im Unterbewusstsein an Couch und Netflix erinnert, die Muskeln allmählich anfangen zu brennen und man gefühlt keinen Meter vorankommt. Die Teilnahme an Volksläufen und Laufgruppen im Freundeskreis konnten bei mir immer nur kurze Motivationsschübe auslösen. Sportliche Alternativen gibt es genug, so stehe ich seit 22 Jahren aktiv auf der Judomatte. Doch vielleicht gibt es dennoch etwas, das Laufmuffel wie mich motivieren würde, sofort die Laufschuhe anzuziehen und mit unüblichen Utensilien bewaffnet, raus in die Natur zu sprinten.

Laufen für die heimischen Wälder

Egal ob beim Spazierengehen im Park oder dem Einkaufsbummel in der Innenstadt: Überall bemerkt man viel zu oft allerhand Unrat am Wegesrand. Insbesondere in ostelbischen Naturschutzgebieten oder auch im Magdeburger Rotehornpark habe ich mich oft darüber geärgert, anstatt grüner Wiesen nur die Hinterlassenschaften eines Grillabends unweit eines leeren Mülleimers aufzufinden. Genau an diesem Punkt setzt ein neues Konzept an: Plogging ist eine Kombination aus Ausdauersport und dem Aufsammeln von Abfällen. Die Bewegung entstand 2017 in Schweden. Der ursprüngliche Begriff „Plogga“ setzt sich aus den Wörtern „plocka“ und „ jogga“, welche „sammeln“ und „ joggen“ bedeuten, zusammen. Die Trendsportart zielt hierbei bewusst auf eine virale Gruppendynamik innerhalb der Gesellschaft ab. Ein sauberes und möglichst müllfreies Stadtbild soll dabei motivieren, keine Abfälle zu hinterlassen und diese vor allem ordnungsgemäß zu entsorgen.

Flaschen, Kleidung und ... igitt!

Im Selbstversuch sollte mich mein Weg sowohl durch naturnahe als auch urbane Stadteile führen, um ein möglichst breites Bild von unterschiedlichen lokalen Gegebenheiten zu erhalten. Ich lief also vom Herrenkrugpark über den Nordbrückenzug in die Magdeburger Innenstadt. Der Einstieg war trotz langer Laufabstinenz leichter als erwartet, aber das Mitführen von Gummihandschuhen und Müllbeutel hingegen überaus gewöhnungsbedürftig. Anhand der verwunderten Blicke der Passantinnen und Passanten, welche sich offensichtlich Sorgen um meinen Geisteszustand machten, muss dies ein äußerst merkwürdiges Bild abgegeben haben.

Der Einstieg am Garnsee hinter dem Hochschulcampus zeigte leider gleich die scheinbar fehlende Wertschätzung meiner Mitmenschen für die Natur. So füllten bereits in den ersten 100 Metern zahlreiche Flaschen, alte Kleidung, benutzte Taschentücher, Styropor und diverse Lebensmittelverpackungen meine mitgeführte Mülltüte. Die Entsorgung von Hundekotbeuteln und weiterer undefinierbarer Hinterlassenschaften scheiterte jedoch an der persönlichen Ekelgrenze. Vielleicht hätte ich doch vorher in eine Greifzange investieren sollen? Im urbanen Gebiet schien die Straßenreinigung jedoch recht zuverlässig zu arbeiten. Hier fanden sich nur vereinzelt Zigarettenstummel und kleinere Verpackungsreste. Das vertraute Gefühl der schreienden Muskelfasern quittierte dann das Ende meiner kleinen Versuchsrunde und meine Mülltüte landete in einem Abfallcontainer einer Seitenstraße.

Sport für all jene mit grünem Herzen

Ob der Trend langfristig genügend Anhängerinnen und Anhänger finden wird, bleibt abzuwarten. In vielerlei Hinsicht stellt es eine Überwindung von persönlichen Grenzen dar. Die zahlreichen Zwischenstopps und der konstante Fokus auf die Müllbeseitigung machten die eigentliche sportliche Anstrengung durchaus erträglicher. In einer Laufgruppe wäre sicherlich noch mehr Motivation entstanden, um weitere Tüten bis zum Anschlag zu füllen. Für passionierte Läuferinnen und Läufer mit einem grünen Herzen könnte sich der Trend zu einer interessanten Abwechslung zur sportlichen Routine entwickeln, wobei die Laufstrecke eindeutig in Orten abseits der regulierten städtischen Abfallbeseitigung, insbesondere in Naturschutzgebieten und Wäldern, liegen sollte. Neben den schmerzenden Waden hat mich an diesem Tag jedoch ein gutes Gefühl auf meinem Heimweg begleitet: So war ich, zumindest für einen Tag, ein Umweltheld.

Mehr Erfahrungsberichte aus unserer Redaktion in unserer Reihe „In Bewegung“

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Aktuelle Ausgabe: Nr. 102, 02/2019

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