30 Jahre

Prof. Dr. Gilian Gerke im SCIENCE TALK: "Ich finde es toll, dass endlich wieder Leute auf die Straße gehen"

Erstmalig zur 14. Langen Nacht der Wissenschaft stellten sich Forschende der Hochschule Magdeburg-Stendal den neugrierigen Fragen der Journalismus-Studierenden Vera Reinicke, Jonas Hinrichs und Simeon Laux, darunter unter anderen Prof. Dr.-Ing. Gilian Gerke, Professorin für Ressourcenwirtschaft, Recycling und Nachhaltigkeit.

Notiert von Svenja Heinrichs
Foto: Matthias Piekacz

Vera: Frau Gerke, womit beschäftigen Sie sich hier am Fachbereich konkret in Bezug auf Nachhaltigkeit und Klimaschutz?

Prof. Dr. Gilian Gerke: Wir befassen uns mit Kunstoffrecycling, genauer gesagt mit der Frage, was man machen kann, um langlebige wiederverwertbare Produkte aus dem Material Kunststoff zu entwickeln.  

Vera: Hätten Sie denn Tipps für uns, was man im Alltag besser machen könnte in Bezug auf den Plastikverbrauch?

Prof. Dr. Gilian Gerke: Auf jeden Fall aufmerksam sein. Es sollten möglichst wenig Kunststoffe gekauft werden. Viele Plastiktüten kann man sich sparen, wenn man eine Tasche dabei hat oder zum losen Obst und Gemüse statt dem Eingepackten greift. Da kann man täglich sehr viel tun.

Vera: Welche konkreten Lösungsansätze werden hier an der Hochschule erforscht und entwickelt?

Prof. Dr. Gilian Gerke: Wir beschäftigen uns mit dem Ende der Wertstoffkette und zwar damit, wie besser und in höheren Qualitäten sortiert und recycelt werden kann, damit wir nicht von einem Down-, sondern von einem Upcycling sprechen.

Simeon: Um einen aktuellen Bezug herzustellen: „Fridays for future“ ist gerade in aller Munde und geht durch die Medien. Gestern fand ganz aktuell ein globaler Klimastreik statt. Auch hier in Magdeburg wurde vor dem Rathaus gestreikt. Inwiefern ist denn diese zumindest teilweise zunehmende Sensibilität für Nachhaltigkeit und einen besseren Umgang mit der Umwelt ein guter Schritt von der Wegwerfgesellschaft wegzukommen und im Kollektiv nachhaltiger zu agieren?

Prof. Dr. Gilian Gerke: Ich finde es toll, dass endlich wieder Leute auf die Straße gehen. Ich kenne das aus meiner Schulzeit, da sind die Leute auf die Straße gegangen und auch wir, als Schüler und Schülerinnen und dann war ganz lange nichts und deshalb finde ich es gut, dass endlich wieder etwas passiert. Dass junge Leute sagen: „Ihr da oben, was macht ihr da eigentlich?“ und, dass wir mitgerissen werden. Das ist ein kleiner Schritt, aber ein ganz wichtiger. Das sieht man auch bei der Europawahl. Was ist wichtig? Die Umwelt ist uns wichtig, denn wir brauchen sie für die Zukunft, wenn wir weiter gut leben wollen.

Simeon: Kommen wir zu den Initiativen, die die Hochschule als Forschungsbetrieb beisteuern kann, um das Thema Nachhaltigkeit weiter voranzutreiben. Was ist da in den nächsten Jahren geplant oder wo mangelt es aktuell, wo man sich als wissenschaftliche Institution stärker mit einbringen könnte?

Prof. Dr. Gilian Gerke: Wir wollen im Bereich hochwertiges Recycling weitermachen. Und ganz wichtig auch im internationalen Bereich. Der größte Eintrag an Abfällen in die Weltmeere kommt aus Asien. Dort möchten wir Länder dabei unterstützen abfallwirtschaftliche Systeme aufzubauen, die das selbst nicht stemmen könnten. Da sind Kuba und Indonesien nur zwei Beispiele, wo wir tätig sind. Weiterhin arbeiten wir in zwei Pfeilern der Umweltbildung. Wir wollen Kinder, Jugendliche und Erwachsene bilden und ihnen erklären was es heißt, die Umwelt zu schützen und ihnen beibringen, wie wir mit unseren Abfällen umgehen.

Vera: Wir haben gesehen, dass hier vorne Joghurtbecher als Lampenschirm für eine Lichterkette dienen. Das finden wir sehr interessant, dass man aus Dingen, die man eigentlich entsorgt doch noch etwas Schönes machen kann. Hätten Sie vielleicht noch andere Tipps für den Alltag oder Beispiele, wie man Müll weiter verwerten kann?

Prof. Dr. Gilian Gerke: Da gibt es ganz viele Ansätze. Aus alten Tetrapacks basteln wir zum Beispiel mit Kindern Portemonnaies. Oder eine unserer Studentinnen hat aus alten Gläsern ein Gewürzregal gebaut. Eigentlich kann man aus allem irgendetwas machen, man muss nur ein bisschen Fantasie haben.

Simeon: Das Motto der Langen Nacht der Wissenschaft ist „Wie wollen wir morgen leben?“. Uns würde es interessieren, welche Vision ihr vom zukünftigen Leben habt.

Prof. Dr. Gilian Gerke: Einmal bin ich schonmal ziemlich im Leben angekommen. Ich habe den tollsten Beruf, ich arbeite mit jungen Menschen und ich arbeite mit dem tollsten Material. Von daher bin ich ziemlich zufrieden. Und wenn ich nicht mehr arbeite, dann möchte ich gerne ein kleines Haus haben, mit Blick auf das Meer, mit einem Kräutergarten und die Weise, mit grauen Haaren im Dorf sein und mein Wissen weitergeben.

Das komplette Interview finden Sie unter www.h2.de/sciencetalk.

Veröffentlicht am 5. Juni 2019

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