30 Jahre

Gesundheitskompetenz: Zeit zum Durchatmen

Wie kompetent bist du im Umgang mit Gesundheitsinformationen? Welche Wege schlägst du ein, um deine Gesundheit zu fördern? Und sollten wir nicht in unserer heutigen Informationsgesellschaft bestens über eine gesunde Lebensweise informiert sein?

Erzählt von Diana Doerks
Foto: Matthias Piekacz

Während der Frühling bei vielen meiner Mitmenschen für Glücksgefühle sorgt, leide ich unter heftigen Niesattacken und tränenden Augen. Nach einer zunächst erfolgreichen Hyposensibilisierung während des Studiums holte mich der Heuschnupfen nach der Geburt meiner Kinder wieder ein. Was nun? Zum Arzt? Alternative Heilmethoden? Selbsttherapie via Netdoktor oder einfach Aussitzen?

Ressource Zeit

Allein der Gedanke an ein volles Wartezimmer stresst mich. Zeit, die ich als Mutter und Berufstätige gern anders verbringen würde. Nach zwei Stunden verlasse ich schließlich erschöpft aber mit einem Rezept in der Hand die Praxis. Am effektivsten wäre eine erneute Allergieimpfung, gibt mir die Ärztin mit auf den Weg. Dies kommt für mich aufgrund der mehrwöchigen Therapiezeit beim Facharzt momentan zeitlich aber einfach nicht in Frage.

Ressource Geld

Mit dem Hinweis „Bei Bedarf“ unterbricht die Apothekerin meinen Tagtraum einer „Einmal-Spritze ohne Nebenwirkungen“ und überreicht mir das verschriebene Medikament. Der Blick auf den Beipackzettel erübrigt sich – mit den Nebenwirkungen hatte ich mich bereits vor Jahren vertraut gemacht. Ich erinnere mich an die Zeit als Schwangere, in der die konventionellen Pharmazeutika tabu waren. Gab es da nicht auch alternative Methoden, wie z.B. Homöopathie oder Schüßler-Salze? Wie steht es um die Wirkung der pflanzlichen Produkte? Und was kostet mich das?

Ressource Information

Vor 20 Jahren hat Neil Postman die Herausforderung unserer heutigen Gesellschaft in „Die zweite Aufklärung“ treffend formuliert: Die zentrale Frage ist nicht die nach der Verbreitung von Informationen, sondern die nach der Umwandlung von Informationen in Wissen und von Wissen in Erkenntnis. Genauer gesagt: Welcher Quelle kann ich vertrauen? Wer besitzt die Kompetenz mich z.B. in Gesundheitsfragen zu schulen und meinen Blick für vertrauenswürdige Informationen zu schärfen?

Ressource Forschung

Das Thema Gesundheitskompetenz der Bevölkerung wird künftig weiterhin an Bedeutung gewinnen, ist sich die Gesundheitswissenschaftlerin Prof. Dr. Kerstin Baumgarten sicher. Um bei den vielen Informationsangeboten im Gesundheitskontext den Überblick zu behalten, schult sie gemeinsam mit ihrem Projekt-Team „Landesstrategie für Gesundheit(skompetenz)“ seit Beginn dieses Jahres ehrenamtliche Lotsinnen und Lotsen, die die Bevölkerung für das Thema Gesundheitskompetenz sensibilisieren sollen. „In Magdeburg sind bereits 22 Gesundheitslotsinnen und -lotsen in verschiedenen Stadtteilen aktiv“, verrät mir die wissenschaftliche Mitarbeiterin Nadine Ladebeck und ihre Kollegin Tina Zeiler ergänzt: „Neben punktuellen Vorträgen möchten wir perspektivisch in einer offenen Alteneinrichtung in Magdeburg gezielt aufzeigen wie Gesundheitskompetenz lebensweltorientiert gefördert werden kann.“

Doch nicht nur in der Stadt auch auf dem Campus ist das Projektteam engagiert. Maria Schimmelpfennig berichtet vom neugegründeten Netzwerk „Gesundheitsfördernde Hochschulen in Sachsen-Anhalt“, welches das Wohlbefinden der Studierenden und Beschäftigten in den Blick nimmt: „Neben unseren individuellen physiologischen und psychischen Faktoren spielt auch unsere soziale Umgebung eine wesentliche Rolle für den Zustand unserer Gesundheit“, weiß die Promovendin. Die Hochschule als gesundheitskompetente Einrichtung steht dabei im Fokus der drei Nachwuchswissenschaftlerinnen.

Beim Verlassen des Fachbereichs Soziale Arbeit, Gesundheit und Medien atme ich tief ein. Nach einem kurzen, aber heftigen Regenschauer ist die Luft reingewaschen, dieses Mal spüre ich kein Kribbeln in der Nase. Zeit zum Durchatmen.  

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Veröffentlicht am 17. Juli 2019

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