(Über-)Leben in der Provinz

Sozial- und kulturwissenschaftliche Betrachtungen der Peripherie von Jugendkultur(-forschung)


Ort:
Hochschule Magdeburg-Stendal, Standort Stendal, Osterburger Str. 25, 39576 Hansestadt Stendal

Termin: 27./28. November 2015

Poster

Programmflyer

Thema der Fachtagung:

Wer an Jugendkulturen wie Punk, Techno oder HipHop denkt, denkt an London, Detroit, Berlin oder New York. Jugendkultur und Urbanität als vermeintlich "organische" Verbindung der Genese von Stilen, Moden und Genres mit großstädtischen Epizentren bilden ein typisches Narrativ über Jugendkulturen, obschon etwa im nordrhein-westfälische Hagen Teile der NDW ihren Ausgang nahmen oder das schleswig-holsteinische Dorf Wacken mit dem W.O.A als weltweit größtes Festival für die Metal-Szene eine "Institution" ist.

In der Jugendkulturforschung und noch mehr in der Öffentlichkeit finden "Provinzen" - also ländliche Regionen, Kleinstädte oder gar Dörfer - als Orte für und "Motoren" der Jugendkultur eher wenig Aufmerksamkeit, während zumindest vereinzelt sich vielfach beachtete Dokumentarfilme und Sonderausstellungen dem Thema widmen und damit zeigen, dass Jugendkultur auch gerade jenseits der urbanen Zentren lebt und gelebt wird.

Wie sich Jugendszenen in der Peripherie, also in provinziellen Regionen oder Kleinstädten formieren und wie die Akteure selbst jugendkulturelle Praxen er-leben, soll daher auf der Tagung "Jugendkulturen - (Über-) Leben in der Provinz" debattiert werden.

Zwei Fragen sind dabei - insbesondere aus einer sozial- und kulturwissenschaftlichen Perspektive - leitend:

  • Wie lassen sich jugendkulturelle Szenen lokal/global "kartieren"? - Hierbei sind nicht nur Betrachtungen einer "Historie der Jugendkultur" von Bedeutung oder die Frage, was Jugendkultur als spezifische "Szenen" überhaupt kennzeichnet, sondern es ist auch die Frage, inwieweit Globalisierung und Mediatisierung zur Bildung, Revision oder Modifikation von Jugendkultur beitragen - unabhängig davon, wo Jugendkultur konkret gelebt wird.
  • Wie/worüber formieren sich provinzielle Jugendkulturen? - Gefragt werden soll, worüber sich alltagskulturelle Szene-Praxis auszeichnet und was deren wesentlichen Konstituenten sind, wie die Akteure sich selbst verorten und von anderen positioniert werden.

Mitwirkende u.a: Barbara Bräutigam, Marc Dietrich, Paul Eisewicht, Klaus Farin, Caroline Fricke, Anne Hahn, Dimitri Hegemann, Harald Keller, Claudia Kühn, Günter Mey, Nicolle Pfaff, Christian Petzoldt, Michael Rauhut, Christian Scheuer, Holger Schwetter, Stephan Szillus

Anmeldung:

Anmeldungen sind nur per E-Mail (an marc.dietrich(at)hs-magdeburg.de / guenter.mey(at)hs-magdeburg.de möglich mit der Bitte um Angabe von Name, Ort, Affiliation und E-Mail-Adresse. Anmeldeschluss ist der 10.11.2015.

Unterkunft und Verpflegung

Im Hotel Schwarzer Adler: http://www.adler-stendal.de/zimmer.html besteht für Tagungsteilnehmende ein Zimmerkontigent zum rabattierten Preis (Stichtag: 20.11.2015; Kennwort: Jugendkultur-Tagung); andere Hotels in Stendal können ebenfalls gebucht werden.

Während der Tagung werden Getränke und Snacks angeboten (Unkostenbeitrag 5 Euro/Tag).

Organisation und Kontakt:

Günter Mey, Professor für Entwicklungspsychologie und Qualitative Forschung, hat Video-Dokumentarfilme über eine "Punk-WG" sowie zur Osnabrücker Diskothek "Hyde Park" als jugendkultureller Szene-Treff erstellt, er ist Herausgeber von zwei Schwerpunktbänden ("JUGEND/KULTUREN", Pabst Verlag 2011; "Jugendkultur­forschung"; Budrich 2015) sowie Leiter des Teilprojekts "Inszenierung von Jugend(lichkeit)" im BMBF-Projektverbund "Techniken jugendlicher Bricolage - Interdisziplinäre Perspektiven auf jugendkulturelle Praktiken des Umgangs mit alltagskulturellen Objekten"; E-Mail: guenter.mey(at)hs-magdeburg.de

Marc Dietrich, promovierte in der Sozialwissenschaft zu Inszenierungen in Musikvideos. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im BMBF-Teilprojekt "Inszenierung von Jugend(lichkeit)" an der Hochschule Magdeburg-Stendal und Mit-Herausgeber des Themenbandes "Deutscher Gangsta-Rap. Sozial- und kulturwissenschaftliche Beiträge zu einem Pop-Phänomen" (Transcript 2012). E-Mail: marc.dietrich(at)hs-magdeburg.de

Hochschule Magdeburg-Stendal
Angewandte Humanwissenschaften
Osterburger Str. 25
D-39576 Hansestadt Stendal

Ausrichter der Tagung :

  • Fachbereich Angewandte Humanwissenschaften der Hochschule Magdeburg-Stendal
  • Institut für Qualitative Forschung der Internationalen Akademie Berlin

In Kooperation mit:

  • Respekt! Förderung von jugendkultureller Vielfalt und Toleranz, Forschung und Bildung

Programm und Beitragende:

Freitag, 27.11.2015
12:15:          Eröffnung
12:45-14:45 Themenblock I: Jugendkultur - eine StandORTbestimmung!

  •  Klaus Farin (Berlin): Jugendkulturen im ... auf dem deutschen Lande
  • Stephan Szillus (Berlin): Crystal Meth in Brandenburg - HipHop aus dem deutschen Hinterland
  • Paul Eisewicht/Christin Scheurer (Dortmund): Peripherie matters!? Bedeutungen der Szenenperipherie im Wandel

Moderation und Diskutant: Marc Dietrich

15:15-16:30 Themenblock II: PROvinziell: Von Tanzschuppen und Jugendkulturtreffs

  • Harald Keller (Osnabrück): The Beat goes on
  • Holger Schwetter (Lüneburg): Feldzugänge und Kartierungen zu vergangenen popmusikalischen Tätigkeiten in der Provinz

Moderation und Diskutant: Günter Mey

17:00-17:45 Themenblock III: DDR als "Provinz" der Jugendkulturforschung

  • Michael Rauhut (Norwegen): Going up the Country. Jugendkulturen in der DDR

18:00-19:00 Abschluss: Film und Gespräch

  • Christian Petzoldt (Jena): "Subkultur in der Provinz" (2014)

Samstag, 28.11.2015
10:00-11:30 Themenblock IV: Szenen aus / ... in der Provinz

  • Anne Hahn (Berlin): Pogo auf dem Altar - Punk in der DDR
  • Caroline Fricke (München): Heavies auf dem platten Land
  • Barbara Bräutigam (Neubrandenburg): Blues in der Pampa - Jugendliteratur als Zugang zu jugendkulturellen Lebenswelten

Moderation: Marc Dietrich

12:15-13:45 Themenblock V: Jugend auf dem Land - Vom Flüchten-Wollen und (Angeboten zum) Bleiben-Können

  • Claudia Kühn (Jena): Cucuma Festival Projekt - eine jugendszenenübergreifendes Projekt in Thüringen
  • Dimitri Hegemann (Berlin): Happy Locals - We save cities
  • Nicolle Pfaff (Duisburg-Essen): Jeder Kommune ihre Jugend(Kultur)arbeit? - Regionalspezifische Perspektiven

Moderation und Diskutant: Günter Mey

Verabschiedung (Tagungsende 14:00)

Referentinnen und Referenten

Prof. Dr. habil. Barbara Bräutigam (Neubrandenburg):
Professorin für Jugendarbeit, Schwerpunkt Kinder- und Jugendliteratur; diverse Veröffentlichungen zu sozialwissenschaftlichen Analysen von Literatur sowie zu Jugendarbeit in Mecklenburg-VorpommernDr. des.

Marc Dietrich (Magdeburg-Stendal):
wissenschaftlicher Mitarbeiter im BMBF-Teilprojekt "Inszenierung von Jugend(lichkeit)" an der Hochschule Magdeburg-Stendal und Mit-Herausgeber des Themenbandes "Deutscher Gangsta-Rap. Sozial- und kulturwissenschaftliche Beiträge zu einem Pop-Phänomen" (2012)

Dr. Paul Eisewicht (Dortmund):
wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl Soziologie der TU Dortmund; Arbeitsschwerpunkte u.a. Jugendsoziologie, Wissenssoziologie, Methoden explorativer Sozialforschung; Veröffentlichungen zu Jugendkultur, Szeneforschung und Jugendstilen

Klaus Farin (Berlin):
Gründer des Archiv der Jugendkulturen, Berlin; Journalist und freier Autor sowie Lehrbeauftragter und Vortragsreisen in Schulen und Hochschulen, Jugendklubs, Akademien und Unternehmen; diverse Veröffentlichungen generell zu "Jugendkulturen in Deutschland" und über spezielle Szenen, wie Skinheads, Fußballfans, Gothics.

Dr. Caroline Fricke (München):
Historikerin, Geschäftsführerin der Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien an der LMU; Promotion zu "Politisch bedingte Konflikte von Jugendlichen im Bezirk Schwerin 1971-1989" und Aufsätze zu Jugend und Sozialisation und zur Metal-Szene.

Anne Hahn (Berlin):
Historikerin, Autorin und Subkulturforscherin, u.a. "Satan, kannst du mir nochmal verzeihn - Otze Ehrlich, Schleimkeim und der ganze Rest" (2008), "Der weiße Strich - Vorgeschichte und Folgen einer Kunstaktion an der Berliner Mauer" (2011)

Dimitri Hegemann (Berlin):
Mitausrichter des Atonal-Festivals und Mitinitiator des Tresor Clubs; Mitbegründer der Initiative Happy LocalsDr. Harald Keller (Osnabrück): Medienhistoriker, freier Journalist, Buchautor und -herausgeber, DJ, Lehrbeauftragter an der Universität Osnabrück, forscht und veröffentlicht zu popkulturellen Phänomenen, Ko-Kurator der Doppelausstellung "The Beat Goes On. Der Sound. Der Style" (2013, Osnabrück und Bramsche)

Claudia Kühn (Friedrich-Schiller-Universität Jena):
wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Sozialpädagogik und außerschulische Bildung der Universität Jena und Vorstandsvorsitzende des Cucuma e.V. und In´s Netz e.V.; Forschungsschwerpunkte: Kulturelle Bildung und Jugendszeneforschung; Organisation diverser (jugend)kultureller Veranstaltungen

Prof. Dr. habil. Günter Mey (Magdeburg-Stendal):
Professor im Fachbereich Angewandte Humanwissenschaften; Leitung des dreijährigen Teilprojektes "Inszenierung von Jugend(lichkeit)" im BMBF-Forschungsverbund "JuBri - Jugendliche Techniken und Bricolage"; Dokumentarfilme zu einer Punk-WG und zum Osnabrücker "Hyde Park" als jugendkultureller Szenetreff, Herausgeber von "Jugend/kulturen" (2011) und "Jugendkulturforschung" (2015)

Christian Petzoldt (Jena):
Mediengestalter und Veranstaltungstechniker, Abschlussarbeit "Fernab - Subkultur in der Provinz" an der Bauhaus-Universität in Weimar; Mitwirkung im Künstler-Kollektiv rue:de:are, Gera und Mitbetreiber eines Vinyl-Plattenlabels

Prof. Dr. Nicole Pfaff (Duisburg-Essen):
Professorin für Bildungswissenschaften; Arbeitsschwerpunkte u.a. Ungleichheitsforschung und Jugendkultur, qualitative Forschungsmethoden und Methodentriangulation; einschlägige Publikationen zu "Jugendkulturelle Politiken"

Prof. Dr. Michael Rauhut (Kristiansand, N):
Professor für Populäre Musik an der University of Agder in Kristiansand/Norwegen. Zahlreiche Veröffentlichungen zu den alltäglichen und politischen Dimensionen populärer Musik, u. a.: "Das Kunden-Buch. Blues in Thüringen", "Rock in der DDR 1964 bis 1989", "Schalmei und Lederjacke. Rock und Politik in der DDR der achtziger Jahre".

Dr. Holger Schwetter (Lüneburg):
Musikwissenschaftler, wissenschaftlicher Mitarbeiter im DFG-Projekt "Time has come today" am Institut für Soziologie und Kulturorganisation (ISKO) an der Leuphana Universität Lüneburg. Promotion über Selbstmanagement von Musikern, Urheberrecht und Creative Commons

Christin Scheurer B.A. (Dortmund):
Mitarbeiterin im BMBF-Teilprojekt "Inszenierung von Zugehörigkeit" an der Technischen Universität Dortmund, Lehrstuhl für Allgemeine Soziologie.

Stephan Szillus:
Betreiber der Musikmanagement-Agentur Heart Working Class; Studium der Rechtswissenschaft (Hamburg, Zürich), Musikjournalist, ehemaliger Chefredakteur des größten europäischen HipHop-Magazins "Juice" sowie A&R Consultant für Universal Music; Lehrbeauftragter für Kulturjournalismus an der Universität Mannheim; Artikel und Buchveröffentlichungen zu Rap und HipHop

Kontakt

Entwicklungspsychologie
Prof. Dr. habil. Günter Mey

Tel.: (03931) 2187 3820
Fax: (03931) 2187 4870
E-Mail: guenter.mey(at)hs-magdeburg.de

Besucheradresse: Osterburger Straße 25, Haus 3, Raum 0.20

Bildergalerien

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