Jenifer Girke: Praktika in den ZDF-Außenstellen in Singapur und Nairobi (Kenia)

Kenia, Dorf im Hinterland
Kenia, Rift Valley
Kenia, Strand in Mombasa
Kenia, Weg nach Mombasa
Singapur
Singapur, Arab Street
Singapur, Arab Street
Singapur, Arab Street
Singapur, Hindutempel
Singapur, Hafen
Singapur, Hafen
Singapur, Chinatown
Singapur. Chinatown
Singapur, Chinatown
Singapur, Chinatown
Singapur, Foodcorner
Singapur, Hindu-Tempel Chinatown
Singapur, Hindu-Tempel
ZDF-Gebäude Singapur
ZDF-Gebäude Singapur
 

Jenifer Girke, Studiengang Journalistik/ Medienmanagement, absolvierte im Herbst 2013 zwei Praktika beim ZDF: zuerst in der ZDF-Außenstelle in Singapur unter dem Korrespondenten Peter Kunz und anschließend in Nairobi, Kenia unter dem Korrespondenten Jörg-Hendrik Brase.

Praktikum in Singapur

Vorbereitung/ Allgemeine Informationen

Für Singapur sind die Einreisebestimmungen etwas strenger geworden, daher ist es sehr empfehlenswert, sich frühzeitig um einen Work Holiday Pass zu kümmern, Informationen findet man beim MOM (Ministry of Manpower), auch für den Work Holiday Pass - da findet man alle Informationen der Beschaffung und der Kriterien. Leider ist die Hochschule Magdeburg-Stendal nicht unter den drei geforderten Rankings vertreten, was einem den Zugang zu dem Work Holiday Pass fast unmöglich macht. Nach mehrfachem Hin- und Herkommunizieren konnte ich mich mit meiner Praktikumseinrichtung auf die Einreise als Touristin einigen, musste dafür aber eine offizielle Verzichtserklärung aufsetzen, dass ich über jegliche Essenszuschüsse (ein paar Cent pro Woche) verzichte und das ZDF nicht für mich verantwortlich ist.

Natürlich muss man eine Auslandskrankenversicherung abschließen, für Singapur sind keine speziellen Impfungen nötig, nur wenn man andere Inseln oder Länder (Indonesien/ Thailand/ Kambodscha) bereisen möchte.

Singapur ist ein sehr sauberes Land und man findet alle nötigen Hygieneartikel auch vor Ort zum Kauf.

Kreditkarten sind generell akzeptiert und ein sehr gängiges Zahlungsmittel. Mit der Kreditkarte lässt sich auch unkompliziert Bargeld abheben.

Die Wohnungssuche in Singapur gestaltet sich als nicht einfach, weil alle Unterkünfte sehr teuer sind. Am besten hält man sich an den Stadtteil der Einrichtung, sodass der Weg zur Arbeit möglichst kurz ist. Je weiter draußen man zieht (z.B. Nähe Botanischer Garten), desto grüner und günstiger kann es werden, aber der Weg zum Praktikum kann sehr lange dauern (viel Stadtverkehr), was man in Singapur keinesfalls unterschätzen sollte. Hinzu kommt, dass Verspätungen von nur wenigen Minuten bei Praktikanten in meinem Fall nicht geduldet wurden. Chinatown und Little India sind sehr authentisch, aber nicht ganz ungefährlich. Clarke und Boat Quay sind sehr sicher, aber auch sehr touristisch und teuer. Es gibt sehr viele Hotels und Hostels, wobei Wohnungen schwerer zu finden sind. Dies sollte man vor Ort und mit dem Rat der Praktikumsstelle in Angriff nehmen.

 

Arbeiten im ZDF Studio

Die Arbeitszeiten im Asienbüro des ZDF in Singapur beginnen wegen der Zeitverschiebung erst um 11 Uhr, dauern aber bis mind. 19 Uhr an, oft mit Spät- und Wochenendeinsätzen. Damit betrug meine Wochenstundenanzahl auch mal mehr als 40 Stunden, aber dann immer auf freiwilliger Basis. Schnell hat sich eine gewisse Routine bei meinen Arbeiten eingependelt – zu meinen täglichen Aufgaben gehörte es, sich zunächst über die aktuelle Nachrichtenlage weltweit, besonders aber in den Berichtsländern, zu informieren. Dies tat ich über interne Kanäle, also besondere Nachrichtenfeeds und Agenturenquellen, aber ebenso zählte dazu auch das eigene Recherchieren über online Ausgaben von Lokal- und Weltpresse.

Des Weiteren lernte ich, die neuen Agenturmeldungen auszuwerten und relevante Video-Beiträge für das ZDF-Archiv aufzubereiten und einzuspielen. Auch dies wurde zu meiner täglichen Routine-Arbeit.

Ein Nachrichten-/TV-Studio lebt von guten Stories – also habe ich sehr viel Zeit und Sorgfalt in Recherche-Arbeiten gelegt. Dabei waren die Themen frei wählbar – von wirtschaftlichen Aspekten Indonesiens, über Fußball-Nähereien in Pakistan bis hin zu Boxing-Wohnwägen in Australien habe ich alle möglichen Themen (an-)recherchiert und ggf. erste Kontakte zu Verantwortlichen vor Ort aufgenommen.

Zwei wichtige, zu meiner Hospitanz-Zeit sehr aktuelle Nachrichtenfälle waren zum einen die Verurteilung der Massenvergewaltiger in Indien. Hierfür habe ich diverse Beiträge mitproduziert, die Verhandlungen sehr genau mitverfolgt und viel Videomaterial eingesammelt. Auch habe ich in diesem Zusammenhang das Arbeiten mit TV-Kollegen des Berichtlandes (sogenannte „Stringer“) kennengelernt, die als Einheimische vor Ort für das ZDF berichten. Zum anderen war die Verleihung des Friedennobelpreises ein wichtiges Thema, da die pakistanische Friedenskämpferin Malala mit nur 16 Jahren als eine der top Favoriten galt und man bereits Beiträge vorfertigen musste, falls sie den Preis gewonnen hätte. Solche tagesaktuellen Geschehnisse – besonders auch in Hinblick auf Naturkatastrophen wie erneute Buschfeuer-Brände in Australien – machten die Arbeiten im ZDF Singapur Studio sehr spannend und unvorhergesehen. Dort herrscht stets eine große Flexibilität, schnelle Umdisponierungen sind alltägliches Geschäft.

Auch bei Schnitt (AVID) und Produktion (Hilfestellung beim Texten und Einsprechen) habe ich mitgewirkt – der Schnittraum stand immer offen und lud ein, den Experten über die Schulter zu schauen und auch selbst (Schnitt-) Hand anzulegen. Nach kurzer Zeit durfte ich selbst mitschneiden und habe mit dem Cutter Vorschnitte für Herrn Kunz angefertigt. Dabei kommt es auch oft vor, dass bereits bestehende Stücke lediglich von der Länge verkürzt werden, da das Thema unter einem anderen Gesichtspunkt wiederholt aktuell ist oder es neue Erkenntnisse gibt und man die „Geschichte weitererzählen“ kann.

Zur Drehnachbereitung habe ich auch viele Stunden damit verbringen müssen, eher trockenere Aufgaben zu übernehmen, allen voran das Transkribieren, was bei einem 5-Tages-Material in Pakistani-Englisch mühselig und schwer werden kann. Aber auch hier habe ich durch die Arbeit interessante Einblicke erhalten, wie das Team filmt und Interviews vor Ort abgehalten werden.

Neben dem Studio erlangt man nur sehr selten die Möglichkeit, auch etwas außerhalb dessen zu übernehmen. Daher war es eine erfrischende Abwechslung, wenn ich Seminare besuchen durfte, die für aktuelle Beitragsthemen interessant waren. Im Anschluss habe ich für Herrn Kunz eine ausgearbeitete Präsentation der Inhalte erarbeitet. Ein kleiner Höhepunkt war eine Pressekonferenz von der Friedensnobelpreisträgerin Auung San Suu Kyi, die ich ebenfalls besuchen durfte.

Es ist zu 99 % nicht möglich, Drehs außerhalb des Landes zu begleiten, da es zu teuer und umständlich ist. Umso besonderer war es für mich, dass ich für einen kleinen Dreh mit dem Team von Singapur nach Bangkok fliegen durfte, um einen Beitrag über die Fluggesellschaft zu erstellen. Weiterhin habe ich für Fotoshootings und einen LOGO-Aufsager in der Stadt Singapur nach geeigneten Locations für den Shoot gesucht und auch einige Probe-Shoots durchgeführt.

Das ZDF Team im Asien-Pazifik-Büro ist sehr hilfsbereit und offen. Wenn man sich schnell anpassen kann, den Menschen offen und freundlich gegenübertritt und keine Angst vor Herausforderungen hat, wird man innerhalb kürzester Zeit als vollwertiges Teammitglied behandelt. Als sehr angenehm empfand ich, dass man sich stets gegenseitig geholfen hat und sich zu keiner Zeit scheuen musste, Fragen zu stellen.

Die Anforderungen sind sicherlich nicht niedrig, aber wenn man sich bemüht, anstrengt und die Aufgaben ernst nimmt, werden diese Anstrengungen auch bemerkt und honoriert. Die Bearbeitung der Aufgaben lief dabei zu 100% eigenständig ab, ich trug die volle Verantwortung für meine Aufgabengebiete und habe mich erst dann an andere gewendet, wenn ich selber nicht mehr weiterkam und alle Möglichkeiten versucht habe.

 

Einschätzung meiner Kenntnisse

Wie aus meinen Schilderungen hervorgeht, habe ich viele und verschiedene Aufgaben übernehmen dürfen. Dabei habe ich die Strukturen der ZDF-Tools kennengelernt und mit wichtigen Nachrichtenportalen gearbeitet. Also konnte ich meine Recherche-Fertigkeiten, die ich als eine maßgebliche Eigenschaft für eine Journalistin ansehe, vertiefen und erweitern. Leider habe ich weniger an dem aktiven Drehen teilnehmen dürfen und habe die Beiträge lediglich vorbereitet, aber nie von Anfang bis Ende betreut. Es war durchaus interessant, die Arbeit in einem Außenstudio kennenzulernen, vor allem die Vielseitigkeit und Flexibilität. Also: Eine interessante Hospitanz, bei der ich Neues erlernt und Altes angewendet habe, mit einem sehr netten Team zusammenarbeiten durfte, auch wenn meine Arbeit fast nur innerhalb des Studios stattfand und daher keinen umfassenden, vollständigen Einsatz erlaubte.

 

Das Leben in Singapur

Singapur ist eine sehr saubere, strenge und kulturvolle Stadt. Man sollte sich in der Öffentlichkeit stets korrekt verhalten, da schon kleine Rechtswidrigkeiten (z.B. Kaugummi kauen, Müll auf den Boden werfen) mit hohen Strafen verfolgt werden. Doch dafür muss man kaum Angst haben, beraubt oder überfallen zu werden, wenn man sich von wenigen eher gefährlicheren Rand-Gegenden fernhält. Was mich sehr an dem Stadtstaat fasziniert hat, ist seine kulturelle Vielfalt – Chinesisch, Indisch, Malaysisch, Japanisch, Koreanisch, Philippinisch und vieles mehr alles in einer Stadt, hinzu kommen die vielen unterschiedlichen „Durchreisenden“ von eher west-industrialisierten Ländern, die hier selten länger als drei bis fünf Jahre verbringen. Daraus entsteht eine bunte Mischung, viele Stadtteile mit ganz verschiedenen kulturellen Hintergründen. Dementsprechend abwechslungsreich und „einfach“ ist die Freizeitgestaltung, bei der das Schwierigste wohl ist, sich für eine Tätigkeit zu entscheiden. Auch das Nachtleben in Singapur ist vielseitig und kulturell geprägt – man sollte sich in jedem Fall von touristischen Hotspots wegbewegen, um auch die Kulturen dort abzuholen, wo sie wirklich herkommen und sich nicht von kommerziellen Angeboten locken lassen. Eine große Hürde ist allerdings die Tatsache, dass Singapur sehr teuer ist, sowohl bezüglich der Unterkunft, als auch der Verpflegung bzw. des Essen/Trinken und der Eintrittspreise.

 

Fazit

Letztendlich kann man beim ZDF Singapur in einem tollen Team interessante Aufgaben erledigen, wenn auch nur in begrenzten Rahmen und kaum mit Einsätzen außerhalb des Studios. Diese fehlende Spannung kann man dafür während der Freizeit aufholen, und zwar durch eine aufregende Stadt mit interessanten Menschen aus aller (asiatischen) Welt.

Praktikum in Nairobi

Vorbereitung/ Allgemeine Informationen

Visum

Vor Einreise sollte man sich bereits um ein Visum kümmern, was ich relativ unkompliziert in der kenianischen Botschaft in Berlin beantragt habe. Am besten sollte man persönlich vorbeikommen, ansonsten muss man seinen originalen Reisepass mit der Post versenden. Kosten belaufen sich auf 40 Euro und beantragt man es persönlich, kann man es nach ca. 5 Tagen wieder abholen.

Die entsprechenden Links im Internet, unter denen alles genau nachzulesen ist, sind:

Application Form für VISA

Requirements for VISA Application

 

Impfung/ Medizinische Vorkehrungen

Der richtige Impfschutz ist in Kenia und den meisten anderen afrikanischen Ländern (überlebens-) wichtig, allerdings gibt es dabei keine Einheitslösung, daher unbedingt einen Tropenmediziner aufsuchen und den Impfplan individuell aufsetzen. Wichtig dabei: Früh genug beginnen, da es Impfungen gibt, die in mehreren Intervallen verabreicht werden (Tollwut besteht aus 3 Impfungen mit bestimmten Wochenpausen). Die Impfungen sind sehr teuer und gesundheitlich belastend, aber unbedingt notwendig, wenn man in das Land reisen möchte. Ich bin darüber hinaus auch viel außerhalb Nairobis und Kenias gereist, also waren die Impfungen unumgänglich. Meine hauptsächlichen Impfungen waren: Tollwut, Gelbfieber, Polio/Tetanus, Japanische Enzephalitis, Hepatitis A/B. Als Malaria Vorsorge habe ich mich zudem mit entsprechenden Medikamenten/ Tabletten ausgestattet, die ebenfalls sehr teuer sind. Zusätzliche Hygiene-Artikel und Medikamente sollten alle reichlich mitgeführt werden, da die ärztliche Versorgung nicht dem deutschen Standard gleichkommt. Es gibt gute Krankenhäuser und Apotheken in Nairobi, aber da ich viel im Hinterland unterwegs war, hatte ich für gewöhnlich keinen Zugriff auf medizinische Versorgung. Daher ist auch hier eine gute Auslandskrankenversicherung sehr wichtig!

 

Bezahlung/ Geld

Kenia hat ein anderes Bankensystem als Europa. Bargeld ist die gängigste Zahlungsoption, Kreditkarte ist eher untypisch. Man sollte immer Bargeld an sich haben, aber nie mehr als notwendig wegen der Gefahr von Raubüberfällen. Wichtige Karten und Dokumente sollten stets zu Hause / in Sicherheit gelassen werden.

 

Wohnungssuche

Bezüglich der Wohnungssuche sollte man in jedem Fall die Praktikumseinrichtung fragen und nichts alleine buchen, da dies in diesem Land zu gefährlich bzw. unsicher sein kann. In internationalen / deutschen EInrichtungen bzw. Internaten oder Boarding Houses kann man gut unterkommen. Sehr zu empfehlen ist das AEM Hostel in der Tree Estate 13, Nähe Village Market. Alternativ dazu, aber um einiges teurer ist das Boarding House der German School.

Was immer gilt: Bei Fragen nicht zögern, die Botschaft oder Praktikumseinrichtung zu kontaktieren!

 

Arbeiten im ZDF-Studio

Dadurch, dass das Außenstudio in Kenia ein Reisestudio ist, ist das Team während der Hospitanzzeit oft auf Drehreisen, die man nur in seltenen Fällen teilen darf. Inlandsreisen sind möglich und Herr Brase setzt sich sehr stark dafür ein, dass der Praktikant mindestens einen (kleinen) Inlandsdreh miterlebt. Wie weit weg es tatsächlich geht und wie lange der Dreh dauert, hängt natürlich von der Story und der aktuellen Nachrichtenlage ab. Von Nairobi aus berichtet das ZDF-Team über gesamt Ost-, Zentral und Westafrika, das sind 35 Länder, von daher ist es verständlich, dass viele der Drehreisen auch außerhalb Kenias stattfinden, besonders in einer Zeit, in der in Syrien, Sudan oder Somalia nach wie vor grausame Bürgerkriege herrschen oder ganz aktuelle Entwicklungen aufkommen, wie der Bundeswehreinsatz in der Zentralafrikanischen Republik.

In meinem Fall hatte ich die einzigartige Möglichkeit, mit dem Korrespondenten, dem Kameramann und einem landeskundigen, kenianischen Assistenten eine Drehreise für zwei Berichte mitzuerleben, von denen ich einen Bericht alleine betreut habe, also von der Recherche bis zum Grobschnitt erstellt habe. Dafür sind wir nach Eldoret geflogen, wo wir zunächst eine gynäkologische Krankenhauseinrichtung besucht haben, um über einen aktuellen Vergewaltigungsfall einer Massenvergewaltigung einer 16-jährgen Kenianerin zu berichten. Von Eldoret sind wir weiter in das ländliche Gebiet Busias bis nach Butala an der Ruandischen Grenze gereist, um mit Familie, Polizei, Politik, Täter etc. zu reden. Die zweite Story haben wir ebenfalls in Eldoret gedreht, wofür wir die Heimstätte der besten kenianischen Läufer und deren legendären Trainer Kip Keino besucht haben. Hintergrund hier war ein Bericht über den aktuellen Dopingskandal. Neben dieser Reise habe ich für das Magazin „Life & Style“ auf ZDFinfo zwei weitere Drehs selbstständig recherchiert, das Thema festgelegt, die Drehpartner gesucht, Termine vereinbart, ein Storyboard erstellt, Vorgespräche und –besuche durchgeführt, den Dreh geleitet, alle Interviews während dem Dreh geführt, transkribiert, Drehbücher verfasst und den Grobschnitt (AVID) erstellt. Dabei ging es um junge kenianische Sportler, die sich durch den Sport eine neue Perspektive aufbauen wollen und eine Gegenbewegung zu Armut und Verzweiflung starten. Bei „Life & Style“ geht es vor alle darum, das Land und die Menschen von einer anderen als der gewohnten Seite zu zeigen, daher war es mir sehr wichtig, dieses Format dafür zu nutzen, sich gegen Klischees zu richten.

Abgesehen von der Betreuung ganzer Drehs und der Erstellung eigener Berichte, gab es gewisse Aufgaben im Studio. Dazu zählte der zweimal tägliche News- und Agenturenüberblick, bei dem man aktuelle Geschehnisse und die Entwicklung relevanter Ereignisse recherchiert, festhält und es dem Team mitteilt. Außerdem – eine ganz typische Journalisten-Basis-Arbeit – ist das Lesen von Zeitungen, besonders den 5 großen kenianischen Blättern.

Nicht zu verachten ist die Erschwerung der Arbeit aufgrund der Infrastruktur: Anfahrten dauern bei Meetings extrem lange und sind nicht ungefährlich, das Internet fällt ab und zu aus, genauso wie der Strom und die digitale Schnelligkeit ist natürlich nicht mit der deutschen zu vergleichen. Ein anderer Punkt ist die Gefahrenlage auch während der Dreharbeiten. Als weiße Frau mit einer wertvollen Kamera mitten im Slum in Nairobi herumzulaufen, ist leichtsinnig und sehr gefährlich. Daher sind Drehs in solchen Gebieten immer mit einem kenianischen Kollegen durchgeführt worden und im Vorfeld genau besprochen, besonders die Wege, die man geht und fährt.

Die Arbeit im Team hat mir sehr viel Spaß gemacht, die Kollegen bringen einem Verständnis und Anerkennung entgegen, wenn man die angefordeten Arbeiten pflichtbewusst erfüllt. Strengt man sich an, werden einem elementare Aufgaben übergeben und allein organisierte Drehs zugetraut, was in meiner noch jungen Laufbahn einen wirklichen Höhepunkt meines bisherigen journalistischen Handels darstellt.

 

Einschätzung meiner Kenntnisse

Während dieser Hospitanz habe ich bestehende Fähigkeiten einsetzen, konkretisieren und verbessern können, doch viel mehr habe ich gelernt, an neue journalistische Grenzen zu stoßen und in sehr anstrengenden Situation mit der nötigen Kraft und Professionalität zu überzeugen. Hinzu kommen ganz neue Kompetenzen, die man in einem afrikanischen Land als weiße junge Journalistin beherrschen muss, um erfolgreich zu arbeiten.

Besonders die Arbeit mit meiner Kollegin, der jahrelang erfahrenen Producerin Frau Jutta Kretzberger, die zuvor bereits für das ZDF in Griechenland und Belgien gearbeitet hat, war eine tägliche Bereicherung an Fachwissen, organisiertem Arbeiten, strategischer Vorangehensweise und einem stets herzlichen Miteinander. Ebenso viel konnte ich von dem Korrespondenten Herrn Brase lernen, dessen Professionalität und Sorgfalt ein Markenzeichen seiner Arbeit sind und wodurch er mir sehr schnell zeigte, was einen guten von einem besseren Beitrag unterscheidet. Seine langjährig gesammelten Erfahrung bei politisch sehr anspruchsvollen Formaten wie „Frontal 21“ setzt er bei jedem Dreh gezielt ein und übernahm daher für mich eine sehr wertvolle Vorbildsfunktion. So konnte ich von jedem einzelnen des Teams sehr viele und wichtige, für einen erfolgreichen Journalisten ausschlaggebende Kompetenzen lernen und sehen, wie man diese bewusst und effizient einsetzt.

 

Das Leben in Kenia/ Nairobi

Kenia ist ein Land Schwarz-Afrikas und viel gefährlicher als west-industrialisierte Staaten. Man muss sehr gut auf sich aufpassen und sich stets an Sicherheitsvorkehungen halten. Nie in der Dunkelheit rausgehen, alle Wertgegenstände zu Hause lassen, öffentliche Verkehrsmittel nicht ohne landeskundige Begleitung benutzen, gewisse Stadtteile absolut meiden, jederzeit eine Kontaktperson wissen lassen, wo man sich befindet, etc. Umso wichtiger ist es, auch die "Spielregeln" der Unterkunft und der Praktikumseinrichtung zu befolgen. Die Menschen in Nairobi sind seit der Westgate Attacke sehr verschreckt und trauen sich kaum noch auf die Straße. Auch das Auswärtige Amt rät von Reisen nach Nairobi/ Kenia ab.

Abgesehen von der Gefahrenslage habe ich Kenia als ein atemberaubend schönes Land kennengelernt und "Freunde fürs Leben" gefunden. Es war oft gefährlich, wessen ich mir bewusst war. Allerdings muss man dieses Risiko richtig einschätzen und daher muss jeder für sich selbst entscheiden, ob er bereit ist, in das Land zu reisen. Besonders Weiße sind gefährdet und insbesondere weiße junge Frauen.

In Kenia ist jede dritte Frau Opfer von Vergewaltigung, es passiert in den Städten ebenso wie auf dem Land, mehrfach am Tag, tendenz steigend. Solche Fakten muss man sich bewusst sein, wenn man ins das Land und in dem Land reist.

Nichtsdestotrotz habe ich auch im Alltag sehr liebenswürdige Kenianer kennengelernt und möchte diese Begengungen keinesfalls missen.

 

Fazit

Die sechs Wochen in Kenia haben mich an berufliche sowie persönliche neue Grenzen gebracht, wofür man viel Kraft und Lernwille benötigt. Man ist in Kenia mit einer Gesellschaft konfrontiert, deren Struktur nur schwer für Deutsche nachzuvollziehen ist. Umso wichtiger ist es, sich auf Land und Leute einzulassen, um verstehen und letztendlich darüber berichten zu können. Vorurteile aus dem Weg räumen, aber trotzdem die nötige Vorsicht beizubehalten, ist als weiße Deutsche nicht immer einfach und ein Prozess, der eigentlich länger als 6 Wochen dauert. Gerade deswegen sehe ich diese Zeit aber als ein großes Geschenk an, was mir eine neue Sichtweise auf Kulturen und Berichterstattung gegeben hat und eine Zeit war, in der ich sehr viel als Mensch und genauso viel als Journalistin lernen durfte. Es war mir eine große Ehre, Berichte eigenständig zu erstellen und Menschen dazu motivieren zu können, sich vor (meiner) der Kamera zu öffnen. Ein solches Praktikum ist nicht für jeden Studenten das richtige und auch das Land sollte bewusst gewählt sein. Ich wusste nicht, was auf mich zukommen wird, und bin umso dankbarer, eine Fülle an Erfahrungen mitgenommen zu haben, die ich nach wie vor aufarbeite und aus denen weitere Lernprozesse entstehen.

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