Jo Volkwein: Studienaufenthalt an der Universidad Regiomontana - Monterrey (Mexiko)

 

Ich habe mein Auslandssemester an der Universidad Regiomontana in Monterrey verbracht, Mexikos drittgrößter Stadt, um Periodismo (Journalistik) zu studieren. Um meine Spanischkenntnisse ausbauen zu können, wollte ich diese Zeit von vornherein in Latein- oder Südamerika verbringen. Auf diese Uni in dieser Stadt fiel die Wahl, weil die Betreuerin des International Offices, Kathrin Ullrich, deutsch spricht und so die Einschreibung, die Organisation und das bürokratische Drumherum um einiges einfacher waren als an anderen Universitäten. Kathrin war selbst einmal Studentin an der UR und weiß deshalb, dass es für einen guten Start an einer fremden Uni in einem fremden Land zunächst oft Hilfe braucht. Sie scannt, kopiert, verschickt sowohl Fachliches als auch Privates, regelt das Visa, erklärt Buspläne und Sicherheitsvorkehrungen und steht einem auch in privaten Angelegenheiten zur Seite.

Die Universität

Die Uni bietet insbesondere Studierenden der Sozialwissenschaften ein breites Fächerangebot. Bevor ich hier ankam, konnte ich mir aus allen Semestern des von mir gewählten Studiengangs Kurse aussuchen – sie waren jedoch alle auf Spanisch; in anderen Fachrichtungen gibt es aber auch Fächer auf Englisch. In den ersten zwei Wochen ist es möglich, in weitere Kurse „reinzuschnuppern“ und zu tauschen. Ich hatte einen Kurs Mercadotecnia (Marketing) und einen Kurs Fotografie, sowie Spanisch und Mexikanische Kultur und Geschichte belegt. Die Kurse sind mitunter sehr klein, in Marketing waren wir fünf Studierende und in Fotografie zwei, was grundsätzlich sehr angenehm ist, weil die Professoren und Kommilitonen gut auf dich, deine Fragen und Probleme eingehen können. In beiden hatte ich das Gefühl, sehr viel zu lernen, weil sie tief in die jeweilige Materie Einsicht geben.

Insgesamt werden einem an der Hochschule viele Möglichkeiten geboten, so ist sie auch sehr gut ausgestattet: in jedem Stockwerk Computerräume, zwei Mensen, Fotolabore, eigene Radiostation, Sportstätten, Bankautomaten. Kontakt zu anderen Studierenden zu finden, ist hier mehr als einfach, nicht zuletzt aufgrund der mexikanischen Mentalität. Wenn sie sehen, dass Du aus einem anderen Land kommst, sprechen sie Dich sofort an, geben Dir für alle Eventualitäten ihre Telefonnummern und E-Mail-Adressen. In jedem Gebäude gibt es eine Art „Schulhof“ mit vielen Bänken, Getränkeautomaten, etc., wo man sich zwischen und nach den Unterrichtsstunden gut und gerne treffen kann. Die kleinen Kurse tragen ihr Übriges dazu bei. Durch die schnelle Kontaktaufnahme kann man sich auch innerhalb weniger Wochen sehr gut auf der Landessprache Spanisch verständigen. Zu Anfang darf man sich jedoch nicht erschrecken: Das mexikanische Spanisch und der „Slang“ junger Leute unterscheiden sich sehr vom Spanisch, das in Spanien gesprochen und in der Schule gelehrt wird! Doch Unsicherheiten räumt der begleitende Spanischkurs aus dem Weg, oder ein Intensivkurs, den man vor Studienbeginn belegen kann.

Die Stadt

In Monterrey ist es einfach, Wohnungen zu finden. Insbesondere am Anfang ist die Agentur „Rent A Place“ sehr hilfreich, betrieben von einem Mexikaner und einem Deutschen Mitte 20, die selber Erfahrungen mit Auslandssemestern gemacht haben und den Ausländern hier in Monterrey ihren Start erleichtern möchten. Da in Monterrey sehr viele Universitäten existieren, gibt es für Studierende viele Möglichkeiten, zusammen oder nah beieinander, und sicher zu leben. Ich wohnte in einem großen Gebäudekomplex nahe einer der größten Universitäten hier (Tecnológico de Monterrey), in dem viele andere Studierende und Austauschstudenten, darunter auch viele Deutsche, leben. Die Wohnungen sind vergleichsweise hochwertig ausgestattet: jedes Zimmer hat ein eigenes Bad, es gibt einen großen Wohnraum und offene Küche, jede Wohnung hat einen großen Balkon, Waschraum mit Waschmaschine und Trockner und sogar eine Putzfrau, die regelmäßig kommt (nach Bedarf). Der Zugang zum großen Innenhof der Gebäude ist 24h überwacht. Ich bezahlte dafür $4000MEX, was etwa 235€ entspricht, darin sind aber noch nicht Wasser, Strom, Internet und Fernsehen enthalten. Wohnen ist hier entgegen aller Vorstellungen verhältnismäßig teuer; wenn sich auch die Mietpreise oft mit dem Vermieter verhandeln lassen.

Insgesamt ist Monterrey wider Erwarten durch die Nähe zu den USA sehr teuer. Ich habe nie in der Mensa der Universität gegessen, Essen gehen und Lebensmittel aus den großen Supermärkten haben die selben Preise wie in Deutschland, Milchprodukte und Getränke sind wesentlich teurer. In Monterrey kommt man auf keinen Fall dazu, zu verhungern. Essen wird hier wie in ganz Mexiko zelebriert, ebenso wie im Rest des Landes gibt es an jeder Ecke Taco-Restaurants, in denen man all die leckeren, aber kalorienhaltigen typisch mexikanischen Speisen bekommt (Tacos, Quesadillas, Burritos, Tortas, Flautas, ...). Die Taco-Restaurants sind nicht mit den unhygienischen Tacoständen an all den Straßenränden zu verwechseln, an denen das Essen zwar billig, jedoch auch unsauber ist und somit schnell Krankenheiten hervorruft! Insgesamt ist das mexikanische Essen sehr scharf, was für den europäischen Magen gerade zu Anfang erstmal ungewohnt ist und daher mit Vorsicht genossen werden sollte. Denn Gastritis (Magenschleimhautentzündung) ist eine im Land und insbesondere unter Touristen weit verbreitete Krankheit, die einem schnell den Aufenthalt verderben kann. Im Falle einer Krankheit sollte man sich von den kostengünstigen Ärzten in den Hinterzimmern der Apotheken fernhalten und bspw. das Uniklinikum Hospital San José Tec de Monterrey bevorzugen, um gut behandelt zu werden. Was die Freizeitgestaltung betrifft, bietet die Stadt durch seine Größe (fast 4 Mio. Einwohner) viele Möglichkeiten. Nebst der Sport- und Kulturangebote der Universität (professionelle Teams, Gesangsstunden, Tanzstunden, Bands, Graffiti, Kunst, etc.), bietet die Stadt viel Kunst (Museen und Galerien) und Kultur (Theater, Konzerte), ein breit gefächertes Nachtleben, Cafés, Märkte, dafür weniger Natur. Ein unbedingtes Muss während eines Aufenthalts in Mexiko ist das Reisen! Das Land bietet so viel Geschichte und Kultur wie fast kein anderes und ist ein Paradies für Wassersportler (Westküste), Genießer (Ostküste – Karibik!) und Kunst- und Kulturliebhaber, geschichtlich Interessierte (Süden)!

Fazit meines Auslandsstudiums

Der Gesamteindruck war also sehr gut und ich würde ein Auslandssemester an der Universidad Regiomontana jederzeit und ohne Bedenken weiterempfehlen. Auch für meine berufliche Zukunft hat mir der Aufenthalt unglaublich viel gebracht, weil ich mich nicht nur fachlich weiterbilden konnte, sondern auch meinen Horizont erweitert habe, und die Welt nun aus einem anderen Blickwinkel betrachten kann. Durch die exzellente Betreuung von allen Seiten und die offene, freundliche und hilfsbereite Mentalität der Mexikaner konnte ich dort (wider Erwarten!) mitunter die schönste Zeit meines Lebens verbringen. Im Sommer ist es in Monterrey sehr heiß, bis zu 50°, jeden Tag Sonnenschein. Die Stadt liegt inmitten vieler, hoher Berge, „dahinter“ befindet sich die Wüste. Entflieht man mal der Stadt in diese Regionen, ist der Eindruck atemberaubend schön. Ein „Kulturschock“ ist hier kaum möglich, da die Stadt durch die Nähe zu den USA und aufgrund ihrer Größe unheimlich modern und industrialisiert ist.

Dennoch ist nie zu vergessen und muss an dieser Stelle erwähnt werden: Sicherheit ist hier aufgrund des Drogenkriegs NIE gewährleistet, der Bewegungsfreiraum ist wesentlich eingeschränkter als in Deutschland! Korruption und eine große Kluft zwischen arm und reich bestimmen das gesellschaftliche Leben. Darauf sollte sich jeder einstellen bevor er die Reise antritt; dann lässt es sich mehr als gut dort aushalten.

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