Stefanie Willi: Studienaufenthalt an der Université Rennes II (Frankreich)

 

Als Studierende des Studiengangs „Internationale Fachkommunikation“ durfte ich mein 3. und 4. Fachsemester im Ausland verbringen. Dabei hatte ich die Möglichkeit, ein Praktikum bei einem ausländischen Betrieb oder ein Studium an einer ausländischen Gast-Universität zu absolvieren. Da ich unbedingt mein Französisch verbessern wollte und darüber hinaus auch Eindrücke in die französische Kultur gewinnen wollte, kam für mich nur ein Auslandsaufenthalt in Frankreich in Frage. Ich entschied mich letztendlich für ein Studium an der Université Rennes II, da mich die Stadt und das vielfältige Kursangebot der Universität sehr angesprochen hatten. Am Ende meines Auslandsaufenthaltes konnte ich dann auf 9 Monate in Frankreich zurückblicken, die mich an Erfahrungen bereichert haben.

Planung und Organisation

Das Bewerbungsverfahren für einen Erasmus-Studienplatz an der Université Rennes II lief problemlos ab. Nach meiner Bewerbung und der Übergabe meiner Unterlagen an das International Office der Hochschule Magdeburg-Stendal im Januar, habe ich im März von der Université Rennes II meine erste E-Mail zur Bestätigung meines Studienplatzes bekommen. In der E-Mail wird erläutert, welche Formulare man bis wann zur Universität schicken soll und wo sie online zu finden sind. Falls man einen Wohnheimplatz beantragen möchte, muss man ein weiteres Formular, das online zu finden ist, ausfüllen und mit an die Universität senden.

Zur Vorbereitung meines Auslandsaufenthalts in Rennes habe ich schon vorab etliche Erfahrungsberichte von Austauschstudierenden im Internet gelesen. Dort findet man viele nützliche Tipps zur Ankunft in Rennes und zum Studienaufbau. Außerdem wurde ich über weitere Einzelheiten (Organisation der Ankunft, der Orientierungswoche, Anfrage auf einen Wohnheimplatz) von der Erasmus-Koordinatorin des International Offices in Rennes per E-Mail informiert. Diese stand den Studierenden bei Rückfragen stets zur Verfügung und so habe ich immer in relativ kurzer Zeit Antwort-Emails auf meine Fragen bekommen.

Für die Reise nach Rennes habe ich zudem eine Woche im Voraus ein Busticket beim Unternehmen Eurolines gekauft. Das Gute an der Fahrt mit Eurolines war, dass ich direkt in Magdeburg abgeholt und in Rennes abgesetzt wurde. Außerdem konnte ich zwei Gepäckteile mitnehmen, was praktisch war, denn für einen Aufenthalt von 9 Monaten kommt so einiges an Gepäck zusammen. Leider dauerte die Fahrt knappe 22 Stunden, in denen ich meist nicht viel Platz und Ruhe zum Schlafen hatte. Dafür habe ich aber auf meiner Hinfahrt jede Menge Gleichgesinnter getroffen, die auch ein Studium in Frankreich beginnen wollten.

Studieren an der Université Rennes II

Mein erster Eindruck von der Universität in Rennes war sehr gut, besonders hat mich das kulturelle Angebot dort beeindruckt. So finden z.B. im Campus-Gebäude „Le Tambour“ regelmäßig Kinoaufführungen mit anschließender Diskussion statt, an denen sich auch Regisseure beteiligen. Außerdem kann man regelmäßig Ausstellungen, Choraufführungen oder Sinfoniekonzerte für einen studentenfreundlichen niedrigen Eintrittspreis besuchen.

Die Betreuung der Erasmus-Studierenden wurde vom International Office der Universität wirklich sehr gut organisiert. Man wird vor seiner Ankunft über alle nötigen Vorkehrungen per E-Mail informiert und durch die Einführungswoche, die mit zahlreichen Aktivitäten gefüllt ist, kann man erste Kontakte zu anderen Erasmus-Studenten, aber auch zu Franzosen, knüpfen und die Stadt sowie den Campus näher kennen lernen. Erwähnenswert ist auch, dass man bei seiner Ankunft in Rennes an der Universität von einem französischen Studenten direkt zum Wohnheim gebracht wird. Während der ganzen Einführungswoche stehen französische Studenten im „Bâtiment Ereve“ Erasmus-Neuankömmlingen zur Verfügung, um Fragen zu beantworten. Bei ihnen kann man auch seinen Studentenausweis abholen, den man dort zuvor beantragt hat.

Während der ersten großen Info-Veranstaltung wurde über die Kurswahl und das Einschreibeverfahren informiert. Dabei hat jeder Erasmus-Student eine kleine Netbook-Tasche mit vielen nützlichen Broschüren und Kugelschreibern bekommen, was ich sehr aufmerksam fand.

Die fachliche Betreuung variiert von Kurs zu Kurs. Generell kann man aber sagen, dass die Professoren des Departements Langue Etrangère Appliquée (LEA) offen für Erasmus-Studenten sind. Einige Studenten konnten so unter Vereinbarung mit ihrem Professor alle Prüfungen im Dezember schreiben, damit sie im Januar nicht noch einmal aufgrund der Prüfungen zurückreisen müssen.

Das Lehrangebot an der Universität ist breit gefächert. So habe ich mehrere Kurse des Département Anglais belegt, die sich z.B. mit der englischen Linguistik und Grammatik befassten. Meine restlichen Kurse habe hauptsächlich ich aus dem Département LEA gewählt, was mein Studium der Internationalen Fachkommunikation am besten ergänzt hat. Dieses Département bietet viele praktische Übersetzungskurse an. Auch habe ich aus diesem Département u. a. mehrere Wirtschaftskurse, einen Kurs zum EU-Recht und einen Politik-Kurs belegt. Darüber hinaus kann man dort auch eine Vielzahl an Übersetzungskursen wählen, wobei die Kurse für das Gemeinsprachliche Übersetzen leider nicht zugänglich für Erasmus-Studierende sind.

Rennes ist eine sehr kleine und übersichtliche Stadt. Die Universität konnte ich somit von meinem Wohnheim aus innerhalb von 15 Minuten auch zu Fuß erreichen. Wer will, kann die Universität aber auch mit der Metro erreichen. Die Haltestelle der Metro befindet sich gleich vor dem Campus. Der Campus ist ebenso recht übersichtlich. Alle Gebäude liegen nah beieinander, sind schnell erreichbar und gut ausgeschildert. Die Bibliothek bietet ein umfangreiches Angebot an Büchern, die man als Erasmus-Student höchstens 4 Wochen ausleihen kann. Computerräume sind vorhanden, ebenso eine Mediathek im Bâtiment L. Außerdem kann man bis zu einer begrenzten Anzahl kostenlos Kopien im Bâtiment E (Erdgeschoss, Computersaal) ausdrucken.

Seitens der Gasthochschule wurde für jeden Erasmus-Studenten ein so genannter Parrain (Pate) organisiert. Dabei handelte es sich um einen französischen Studenten, der für erste Fragen zur Verfügung steht. Oft hat sich dieser Kontakt allerdings verlaufen. Generell sind die französischen Studenten in Rennes aber offen gegenüber Austauschstudierenden. Besonders die Studenten des Département LEA, da diese auch selbst einmal ins Ausland gehen wollen.

Unterkunft

Während meines Auslandsaufenthaltes habe ich in einem Zimmer des Studentenwohnheims gewohnt. Einen Wohnheimplatz kann man vor seiner Anreise per Post beantragen. Es ist zu empfehlen, den Antrag schnellstmöglich zur Universität zu schicken, da die Zimmervergabe nach dem Eingang der Anträge erfolgt.

Bei den Zimmern kann man zwischen einem „Chambre traditionelle“ und einem „Chambre renovée“ (besonders empfehlenswert das Wohnheim „Alsace“, direkt an der Universität gelegen) wählen. Ich habe in einem „Chambre traditionelle“ im Wohnheim „Guyenne“ gewohnt, das ca. 140 Euro monatlich  kostet. Die renovierten Zimmer sind deutlich teurer (über 200 Euro), verfügen aber über eine Toilette und eine Dusche im Zimmer, sowie über eine weitaus modernere Ausstattung. Einigen Studenten war der Zustand der „Chambres traditionelles“ zu schlecht, so dass sie in eine WG gezogen sind (WG-Angebote werden überall an der Uni ausgehängt). Die Möbel meines Zimmers waren sehr alt, aber nicht beschädigt. Die Tapete ging an einigen Stellen etwas ab (durch Poster die vorher daran befestigt wurden). Eine Studentin beklagte sich über Schimmelstellen. In meinem Zimmer gab es einen Schreibtisch, zwei Stühle, ein Bett (bei Nachfrage auch Bettbezüge, Decke und Kissen), ein Waschbecken mit Spiegel sowie einen Kleiderschrank samt Regal. Generell empfand ich das Wohnen dort aber nicht als unangenehm. Auf einer Etage im Wohnheim „Guyenne“ wohnen ca. 20 Leute mit denen man sich Küche, WC und Duschen teilt, die auch gereinigt werden. Internet kann man für ca. 20 Euro monatlich mit Kreditkarte beim Anbieter „Wifirst“ buchen. In meinem Wohnheim hatte ich keine Verbindungsprobleme, das Skypen mit anderen war möglich, oft aber nur mit schlechtem Empfang. Das Wohnheim „Guyenne“ ist mit zwei Waschmaschinen (3 Euro pro Wäsche) und einem Trockner (1 Euro alle 30 Min.), sowie einem Fernsehraum ausgestattet. Im Wohnheim des „Bâtiment Maine“ gibt es zudem eine kleine Bibliothek und einen Billardtisch.

Freizeitangebot

Rennes hat eine sehr schöne und sehenswerte Innenstadt, die mit vielen bunten Fachwerkhäusern und Cafés besticht. Sie ist eine typische Studentenstadt, mit einem großen Anteil an Studenten aus dem Ausland, die jährlich dazukommen. Außerdem liegt sie im Herzen der Bretagne und ist der perfekte Ausgangspunkt für Reisen.

Während meines Auslandsaufenthaltes habe ich mit anderen Erasmus-Studierenden regelmäßig Reisen innerhalb der Bretagne unternommen. Besonders zu empfehlen ist die französische Mitfahrgelegenheit Covoiturage, die es auch erleichtert, mit Franzosen in Kontakt zu kommen. Ein Muss für alle Reisenden ist die Küstenstadt St. Malo, in der man auch in einer Jugendherberge kostengünstig übernachten kann. Ebenso kann ich die Besichtigung der Burganlage in Fougeres, sowie die „Cité du Livre“ Becherel empfehlen, in der man unzählig viele Buchläden findet. Am besten, man besichtigt diese Stadt zur Fête du Livre, da sonst viele der Läden geschlossen sind.

Außerdem bekommt man über die Facebook-Gruppe „Erasmus Events Rennes“ regelmäßig Einladungen zu verschiedenen Veranstaltungen (von Franzosen organisiert), bei denen man andere Austauschstudierende kennen lernen kann. Dazu zählen z.B.: Fahrten in die nahe liegende Umgebung oder nach Disneyland Paris.

Unbedingt empfehlenswert ist auch das jährliche Fest „Yaouank“, auf dem man zu bretonischer Musik die ganze Nacht durchtanzen kann. In Rennes gibt es darüber hinaus die Möglichkeit an Tanzkursen, die diesen „Danse bretonne“ unterrichten, teilzunehmen.

Tipps

Man sollte unbedingt mehrere Passfotos, eine Steckerleiste (falls man in einem „Chambre traditionelle“ wohnt) und erstes Geschirr mitbringen, da dies in der Küche nicht vorhanden ist. Über das Semester verteilt kann man sich aber auch Geschirr bei IKEA oder dem nahe gelegenen Supermarkt „Carrefour“ kaufen. Auch empfehle ich viele Fragen zu stellen, besonders bei den Dozenten, und selbst den „ersten Schritt“ bei der Kontaktaufnahme mit Einheimischen zu wagen. Wenn man nichts sagt, wissen die Studenten ja nicht, dass man Hilfe benötigt.

Kontakt Magdeburg

André Nollmann

Leiter International Office
André Nollmann

Tel.: (0391) 886 44 40
Fax: (0391) 886 42 53
E-Mail: andre.nollmann@hs-magdeburg.de

Besucheradresse: Haus 4, Raum 1.02.3

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